Preis des «Schweizer Buchhandels» 2017

VERLAG DES JAHRES

Gewinner 2017


Haupt VerlagHaupt Verlag, Bern
Trend-Werkstatt im Berner Länggass-Quartier

«Haupt steht für sorgfältig gestaltete Anleitungsbücher zum Thema Gestalten und Design und ist besonders bekannt für reich bebilderte Naturführer und umfangreiche Nachschlagewerke zu alpinen Naturthemen»: So nüchtern steht es auf der Verlagswebseite des Berner Fach- und Sachbuchverlags. Wir meinen vielmehr: «Tolle Themen, super-aktuelle Trends und wahnsinnig schön gestaltete Bücher. » Dass die Haupt AG auf eine 100-jährige Tradition und einen erfolgreichen Generationenwechsel zurückblicken kann (auch Patrizia Haupt ist seit einiger Zeit im Verlag aktiv), hat wohl damit zu tun, dass hier konsequent Stärken ausgebaut, keine Seitensprünge gemacht und Namen und Tradition gepflegt werden. Dabei ist dieses Familienunternehmen alles andere als traditionell: Das fängt mit der eigenen ansprechenden Buchhandlung im quirligen Berner Länggass-Quartier an (hätten wir auch auszeichnen können) und hört mit dem hauseigenen Kundenmagazin, das sich am Bahnhofskiosk neben «Flow» und «Landliebe» sehen lassen könnte, nicht auf. Ganz besonders hervorzuheben ist noch das Atelier 14B, wo seit 2013 Kurse in Stricken, Handlettering, Papierorigami oder Bildtransfer angeboten werden. Konsequenter hätten Regine Balmer, Matthias Haupt, Frank Heins und das etwa 20-köpfige Verlagsteam ihre Verlagsinhalte nicht zum Leben erwecken können.

Nominierte2017


Dörlemann VerlagDörlemann Verlag, Zürich
Trouvaillen aus aller Welt

«Seit vielen Jahren hohe Literatur – verlässlich, spannend und schön gestaltet»: Das könnte der Marketingclaim der diesjährigen Jury für den Dörlemann Verlag sein. Jedes Programm überrascht hier aufs Neue mit einer spannenden Mischung aus Übersetzungen der englischen und russischen Weltliteratur, starken Frauenstimmen und zeitgenössischen Schweizer Autorinnen und Autoren. In diesem Frühjahr sind das beispielsweise der Brite David Garnett «Mann im Zoo» oder der Russe Iwan Bunin mit «Frühling». Und dass sie auch für Schweizer Gegenwartsliteratur ein Händchen hat, hat die Trouvaillen-Finderin Dörlemann bereits mehrfach bewiesen: den Schweizer Buchpreisträger Jens Steiner hat sie begleitet und aufgebaut ebenso wie die Bachmannpreis-Nominierte Dana Grigorcea. Das Verlags-team aus dem Zürcher «Verlagshaus» in der Neptunstrasse ist klein, aber umso engagierter. Bei Branchenveranstaltungen, Lesungen oder Literaturfestivals sieht man Sabine Dörlemann (gerne mit Ehemann), Anica Jonas oder Volontärin Marion Weis immer wieder. Die Kontakte reichen bis Taiwan, wo ihr Hersteller Mike Bierwolf sitzt, der die sorgfältig, meist als Leinenband gestalteten Bücher, zu echten Dörlemanns macht. So wundert es auch nicht, dass sie bereits 2011 als «Verlag des Jahres» nominiert waren und 2015 mit dem «ProLitteris Förderpreis» ausgezeichnet wurden.

Hier und jetztHier und Jetzt Verlag, Baden
Wissenschaftlich + populär

Wer einmal Bruno Meier, verantwortlich für Programm, Presse, Finanzen in der Geschäftsführung des Hier und Jetzt Verlags, als Stadtführer in Baden erlebt hat, kann vielleicht erahnen, welches Wissen und Sachinteresse hinter diesem Kopf steckt. Und wenn dann noch die Co-Geschäftsführerinnen Madleina Bundi (seit 2013 dabei) und Denise Schmid (seit 2016 neu dabei) und ein renommierter Autorenstamm von Thomas Maissen über Lisbeth Herger bis Roland Flückiger dazu kommen, ist klar, dass in diesem Verlag kulturgeschichtliche Bücher der obersten Liga produziert werden. Geschichte wird dabei im «breiten Sinn» verstanden und umfasst auch Themen wie Alltag, Wirtschaft, Technik, Reisen oder Natur und Landschaft. Und auch das Zielpublikum ist ein breites: Komplexe Sachthemen werden so ansprechend gezeigt und erklärt, dass sie nicht nur für die wissenschaftliche Elite gedacht sind. Für die gibt es mit «Kultur für Profis» eine eigene Reihe. Alle Bücher vereint erlesene Ausstattung und ästhetische Gestaltung. Seit der Nomination zum Verlag des Jahres 2015 konnten die Badener nochmals zulegen, beispielsweise mit der Produktion ihres überaus erfolgreichen Titels «Schweizer Heldengeschichten», der bereits in der vierten Auflage verlegt wird, und in dem der Verlag eigentlich bald selbst erscheinen müsste, zumindest dem Titel nach gehörten sie in das Buch.

BUCHHANDLUNG DES  JAHRES

Gewinner 2017


BH zur RoseBuchhandlung zur Rose, St. Gallen
Eine Rose für die Rose

Bei knapp 75 000 Einwohnern gibt es sieben Buchhandlungen: Das macht St. Gallen zu einer der Städte mit der höchsten Buchhandelsdichte in der Schweiz. Und dennoch heben wir eine heraus; nach der Nomination in der ersten Runde «Buchhandlung des Jahres» nun zum zweiten Mal: Die Buchhandlung zur Rose, 2005 von Leonie Schwendimann als Quartierbuchhandlung gegründet. Nicht nur der schöne Ort selbst in der Gallusstrasse überzeugt: Im kleinen Hauptraum wird eine feine Auswahl aus dem allgemeinen Sortiment präsentiert – ansprechend aber unaufgeregt, vielleicht mit einer solitären Vase als Dekoration. Einen ganz besonderen Charme haben der kleine Nebenraum, der für die Kinder- und Jugendbücher reserviert ist, und natürlich der «Cave Littéraire», wo regelmässig Lesungen, Buchpräsentation und Konzerte organisiert werden. Leonie Schwendimann und ihr Team überzeugen bei allem was sie tun mit ihrem Engagement, ihrem Charme und Charisma. Die Kunden kommen gerne in den Laden (auch die Vertreter) und es gibt beste Beziehungen zu allen St. Galler Institutionen und Bibliotheken. In über zehn Jahren ist die «Buchhandlung zur Rose» so zu einer richtigen Institution in der Ostschweizer Hochschulstadt geworden.

Nominierte 2017


BH KlappentextBuchhandlung Klappentext, Weinfelden
Drei Jahre danach …

«Der Mut scheint sich auszuzahlen»: Das haben wir vor genau einem Jahr über die Nomination der «Buchhandlung Klappentext» in Weinfelden geschrieben. In der Ausgabe von 2016 hat die Jury besonders das hohe Engagement und den Mut zum branchenfremden Einstieg von Katharina Alder und ihrem Team gelobt, ebenso wie ihre pragmatische Herangehensweise an das Thema Neugründung (Möbel aus dem Brockenhaus, Ladenfläche teilen mit einem Grillverkäufer). In einem Jahr hat sich hier aber so viel getan, dass das fünfköpfige Team bereits wieder auf der Nominationsliste auftaucht. Wir können fast nicht anders! Im schwierigsten Marktumfeld in direkter Grenznähe zu Deutschland (wie übrigens auch «Zur Rose») behaupten sich der hübsche Laden und das junge Buchhändlerinnen-Team mit «extrem viel Charme», wie die Jury sagt. Und kurzerhand hat die Eigentümerin Alder, (nebenbei Mutter von zwei Kindern) noch ein hochkarätig besetztes Literaturfestival auf die Beine gestellt und die Stadt Weinfelden als Sponsor gewinnen können. Wann ihr die Zeit zum Lesen bleibt, ist eine gute Frage. Hier kann nur gesagt werden: Sie schafft es. Denn Alder verpasst keine literarische Debatte, kann passgenaue Empfehlungen aussprechen und scheut sich nicht, notfalls eine Moderation auch selbst zu übernehmen.

   

BH LüthyBuchhandlung Lüthy, Solothurn
Innovation trifft Tradition

«Lüthy, Balmer, Stocker» ist der grösste inhabergeführte Filialist in der Schweiz. 13 Filialen zählt das Unternehmen heute, im letzten Jahr sind zwei davon neu dazugekommen (Freiburg und Schaffhausen). Da fällt es schwer, eine einzelne auszuzeichnen. Wobei: so schwer dann auch wieder nicht. «Solothurn ist ein Musterbeispiel einer erfolgreich geführten, unabhängigen, grossen Traditionsbuchhandlung», so die Jury. Es ist die Stammfiliale des Unternehmens, und Geschäftsführer Fred Stähli wirkt bis heute noch aktiv mit: Beispielsweise während der «Solothurner Literaturtage», an denen für vier Tage über Himmelfahrt ein eigenes Ladenkokal gegenüber der Kornhausscheune betrieben wird. Es ist aber auch ein Ort der Innovation: Die Filialleiterin Daniela Bieri und ihr 15-köpfiges Team (plus sechs Lernende) haben im letzten Jahr neben dem Betrieb der über 1 000 Quadratmeter an der Gurzelngasse 17, noch einen temporären Pop-Up-Shop ins Leben gerufen. Das passierte voraussichtlich erstmalig im Schweizer Markt und wurde einzigartig gelöst: Die provisorische Verkaufsfläche (etwa 80 Quadratmeter) überrascht immer wieder mit einem neuen Schwerpunkt. Von Weihnachten bis Schulbuch wurden hier schon verschiedene Themen inszeniert. In Solothurn schaut man also nicht nur auf eine lange Tradition, sondern immer wieder auch nach vorne.