Chronologie des politischen Prozesses seit 2008

Sämtliche Informationen über die laufende Abstimmungskampagne finden Sie unter www.ja-zum-buch.ch

Was bis zur Abstimmungskampagne geschah:

18. März 2011: Eidgenössisches Parlament verabschiedet Buchpreisbindungsgesetz

Am 18. März 2011 haben sowohl der Ständerat (23 Ja zu 19 Nein bei einer Enthaltung) als auch der Nationalrat (96 Ja gegen 86 Nein bei 5 Enthaltungen) in den Schlussabstimmungen das Gesetz zur Regulierung der Bücherpreise angenommen. Den verabschiedeten Text finden Sie hier.

Damit ist das Gesetzgebungsverfahren, das mit der Parlamentarischen Initiative von Jean-Philippe Maitre 2004 lanciert worden ist (u.a. mit den Erstunterzeichnenden Fulvio Pelli, Caspar Baader oder Doris Leuthard), beendet. Rechte Jungparteien (u.a. Junge SVP, Junge FDP, Piratenpartei) haben das Referendum lanciert, das von der Migros (Ex-Libris) finanziell unterstützt wird. Die Referendumsfrist läuft am 7. Juli 2011 ab.

Vier Antworten auf die absurdesten Vorwürfe der Preisbindungsgegner:

  1. Der Vorwurf der Bürokratie zielt ins Leere: Die Preisbindung ist privatrechtlich ausgestaltet.
  2. Das Gesetz regelt auch den Verkauf von Büchern via (ausländischen) Onlinehandel (Art. 2) – der SBVV hat explizit dafür gekämpft, die Ausnahmen für den grenzüberschreitenden Onlinehandel aus dem Gesetz auszuschliessen, um keine Regelung zu bekommen, die den Schweizer Buchhandel schwächt statt stärkt. Wer behauptet, dass mit der Einführung der Preisbindung Unternehmen ins Ausland fliehen oder ausländische Unternehmen gegenüber Schweizer Konkurrenten bevorteilt würden, hat das Gesetz nicht gelesen.
  3. In sämtlichen Nachbarländern der Schweiz, in die unsere sprachregionalen Buchmärkte stark integriert sind, funktioniert die Preisbindung auch für den Onlinehandel.
  4. Die Preisbindung verteuert die Bücher über das gesamte Sortiment gesehen nicht. Das Gegenteil ist der Fall, was alle verlässlichen Zahlen belegen, siehe dazu Übersicht über die Preisentwicklung in Ländern mit und ohne Preisbindung.

2. März 2011: Differenzen zwischen Stände- und Nationalrat ausgeräumt

Mit dem Stichentscheid des Präsidenten gegen die Ausnahme Onlinehandel hat der Ständerat die letzte Differenz zum Nationalrat ausgeräumt. Der Weg ist damit frei für die Schlussabstimmung am 18. März 2011.

In einer einmal mehr ausführlichen Debatte hat sich der Ständerat am 2. März 2011 mit dem Projekt für ein Buchpreisbindungsgesetz beschäftigt. Verschiedene Ständerätinnen und Ständeräte haben darauf hingewiesen, dass man nicht gleichzeitig den Buchpreis regulieren und im gleichen Gesetz mit einer Ausnahmeregelung für den Online-Handel diese Regulierung aufweichen könne. Auch wurde darauf hingewiesen, dass mit dem Einbezug des Online-Handels keineswegs eine riesige Kontrollbürokratie aufgebaut werde, da die Branche selber um die Einhaltung des Gesetzes sorgen müsse. Gegen die Ausnahme des Onlinehandels stimmten schliesslich 22 Räte (gegenüber 21).

Die zweite Differenz zum Nationalrat bestand in der Präambel des Gesetzes und dem Bezug zur Bundesverfassung. Auch hier hat der Ständerat mit 21:14 Stimmen entschieden, dem Nationalrat zu folgen und den Kulturartikel 69 anzuführen.

Mit dem Entscheid des Ständerats hat das Buchpreisbindungsgesetz eine weitere wichtige Hürde genommen. Nächster und letzter Schritt dieses parlamentarischen Prozesses ist die so genannte Schlussabstimmung. Am 18. März 2011 werden beide Räte nochmals separat über die nun bereinigte Gesetzesfassung abstimmen. Um das Buchpreisbindungsgesetz zu verabschieden, braucht es die Mehrheit in beiden Kammern.

Ob dereinst die Buchpreisbindung in der Schweiz wieder eingeführt wird, ist also noch immer offen. Zumindest das Worst-Case-Szenario für die Schweizer Buchbranche ist jedoch abgewendet worden: Ein Gesetz nämlich, das der Branche mehr schaden als nützen würde (Ausnahme Onlinehandel).

24. Januar 2011: Mehrheit der Ständeratskommission stellt sich gegen Nationalratsbeschluss

Die Buchpreisbindung soll nicht für den Online- und Versandhandel gelten, und der Verweis auf den Kulturartikel der Bundesverfassung soll aus dem Gesetz für gebundene Bücherpreise gestrichen werden; die Mehrheit der ständerätlichen Kommission für Wirtschaft und Abgaben WAK beharrt auf diesen Forderungen, welche darauf zielen, das Gesetz insgesamt ad absurdum zu führen. Sie stellt sich damit auch gegen den Nationalrat, der am 6. Dezember 2010 diese Punkte aus der Vorlage gestrichen hat.
 

6. Dezember 2010: Erfolg für die Buchpreisbindung in der Grossen Kammer

Der Nationalrat will keine Ausnahmen von der Preisbindung. Mit 106 zu 73 Stimmen folgte die grosse Kammer am 6. Dezember 2010 dem Minderheitsantrag von Hansjörg Hassler (BDP/GR) und kippte die Ausnahme des Onlinehandels aus der Gesetzesvorlage, wie dies die Schweizer Buchbranche gefordert hat.

In der Debatte hatten neben Hansjörg Hassler vor allem Hildegard Fässler (SP/SG), Oskar Freysinger (SVP/VS), Lucrezia Meier-Schatz (CVP/LU) und Dominique de Buman (CVP/FR), Louis Schelbert (Grüne/LU) und Hans-Jürg Fehr (SP/SH) mit ihren engagierten Voten die Zustimmung des Rates zur Streichung der Ausnahmeregelung erreicht. Keine Chancen hatten Hans Kaufmann (SVP/ZH), der mit teilweise absurden Argumenten ("Päcklipolizei am Zoll"), falschen Zahlen und persönlichen Angriffen auf Befürworter argumentiert hatte, sowie der neue Volkswirtschaftsvorsteher, Johann N. Schneider-Ammann, der die Positionen seiner Vorgängerin Doris Leuthard übernommen hatte.

Wie in der vorangehenden Diskussion immer wieder deutlich gemacht wurde, hätte die Ausnahmeregelung für den Onlinehandel das Gesetz als Ganzes torpediert. Hans-Jürg Fehr bezeichnete den Vorschlag aus dem Ständerat als einen klassischen Fall von unlauterer, unehrlicher Gesetzgebung. Man könne doch nicht Ja zur Buchpreisbindung sagen und sie gleichzeitig durch die Hintertüre verunmöglichen.

Eine zweite Differenz zwischen National- und Ständerat betraf die Präambel des Gesetzesvorschlags, in der man sich auf entsprechende Verfassungsartikel beruft. Der Nationalrat hat mit 119 Ja zu 48 Nein bei 4 Enthaltungen den Verweis auf den Kulturartikel wieder in die Präambel aufgenommen.

Entscheid der WAK-Nationalrat vom 13. April 2010: Ausschluss des Online-Handels führt Buchpreisbindungsgesetz ad absurdum

Mit dem Entscheid der WAK-Nationalrat, den gesamten Online- und Versandhandel aus dem geplanten Gesetz für die regulierten Bücherpreise auszunehmen, wird der Zweck der Initiative Maitre ins Gegenteil verkehrt. Anstatt den Buchhandel zu stützen wird er massiv diskriminiert. Bleibt diese Ausnahmeregelung im Gesetz, kommt die Branche – die seit Jahren für die Buchpreisbindung gekämpft hat – nicht darum herum, die Gesetzesvorlage abzulehnen und seine endgültige Verabschiedung Ende Juni wenn möglich zu verhindern.

Eine Mehrheit von National- und Ständerat ist aus kulturpolitischen Überlegungen für die Wiedereinführung der regulierten Bücherpreise. Damit soll die Vielfalt und die Qualität des Kulturgutes Buch in Angebot, Produktion und Handel gefördert werden. Mit dem gestrigen 13:12-Entscheid der WAK-Nationalrat aber, den gesamten Online-Bereich sowie den Versandhandel vom Gesetz auszunehmen und damit auf die Version Ständerat einzuschwenken, wird der Zweck des Gesetzes in sein Gegenteil verkehrt. Es ist, wie wenn jemand einen Damm baut (gegen die völlige Verkommerzialisierung des Kulturgutes Buch mit allen negativen Folgen für Vielfalt in Angebot, Produktion und Handel) und gleichzeitig einen grossen Stollen gräbt.

Die Ausnahme für den Online-Handel, den einzigen Wachstumsmarkt, diskriminiert und schwächt den stationären Schweizer Buchhandel in einer Art und Weise, die für die Mehrheit der Branche existenzbedrohend wäre. Ziel der Preisbindung für Bücher ist es ja, die Konkurrenz auf dem Markt vor allem über die Buchinhalte, und nicht über die Buchpreise spielen zu lassen. Die Folge davon ist eine für den Wert des Kulturgutes Buch essentielle grössere Vielfalt in Angebot, Produktion und Handel zu insgesamt günstigeren Preisen. Wer aus kulturpolitischen Überlegungen Ja sagt zu einer Preisbindung, kann nicht gleichzeitig Ausnahmeregelungen beschliessen, die das Ziel des Gesetzes und seines Initianten Maitre untergraben. Wer es trotzdem tut, muss sich den Vorwurf gefallen lassen, damit über die Hintertür das Gesetz zu Fall bringen zu wollen oder Interessen von Einzelfirmen, konkret der Internet-Discounter wie Amazon oder Ex Libris, höher zu gewichten als diejenigen der Schweizer Buchkultur.

Der Schweizer Buchhändler- und Verlegerverband SBVV hat schon in der Stellungnahme zur Vernehmlassung im Sommer 2008 geschrieben: „Keine Buchpreisbindung um jeden Preis.“ Der Preis einer Ausnahmeregelung für den gesamten Onlinehandel und den Versandhandel wäre definitiv zu hoch. Der Vorstand des SBVV hat deshalb der Generalversammlung vom 26. April 2010 einen Antrag gestellt, der es ihm erlauben würde, ein Gesetz mit dieser Ausnahmeregelung mit allen möglichen Mitteln zu bekämpfen.

Unterlagen zur Meinungsbildung im Hinblick auf die Debatte im Nationalrat (Sommersession 2010)

  1. Allgemeine Informationen zur Buchpreisbindung, darunter auch ein kleines Glossar (häufig werden E-Books und Onlinehandel verwechselt) sowie Erläuterungen, wie die Preisbindung auch im Internet einfach umgesetzt werden kann.
  2. Eine Übersicht über die Preisentwicklung der Bücher in Ländern mit und ohne Preisbindung.
  3. Bericht aus der "NZZ am Sonntag" vom 18. April 2010 über die Ausnahmeregelungen für den Versand- und Onlinehandel.

2. März 2010: Ständerat verabschiedet Buchpreisbindungsgesetz mit Haken

Der Ständerat hat am Dienstag, 2. März, die Detailberatungen des vom Nationalrat verabschiedeten Preisbindungsgesetz geführt und nach zweieinhalb Stunden dem Gesetz mit 19 Ja- zu 15 Nein-Stimmen (bei einer Enthaltung) zugestimmt. Das Geschäft geht nun zurück in den Nationalrat. Die Kleine Kammer dehnte allerdings in Artikel 2, Absatz 2 die Ausnahmeregel für den ausländischen Online-Handel mit Büchern auch auf inländische Anbieter aus. Bücher, die sowohl über ausländische als auch inländische Anbieter online verkauft werden, sollen demnach dem Preisbindungsgesetz nicht unterstehen. Ausserdem beerdigte der Ständerat das Bandbreitenmodell, dem der Nationalrat noch zugestimmt hatte und will die Kompetenz zur Festsetzung der Preisüberhöhung dem Preisüberwacher übertragen.
Gegenüber dem Nationalrat schuf der Ständerat in seiner engagiert verlaufenen Debatte noch eine weitere wichtige Differenz: Schulbücher sind nun wieder der Preisbindung unterstellt, und die Geltungsdauer des Gesetzes - ursprünglich für drei Jahre vorgesehen - wurde gestrichen. In einer ersten Stellungnahme begrüsste Dani Landolf, Geschäftsführer des Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verbands (SBVV) den Entscheid des Ständerats. «Der SBVV ist aber nach wie vor der Ansicht, dass der ausländische und neu der inländische Online-Handel dem Geltungsbereich des Preisbindungsgesetzes unterstellt bleiben muss und wird sich weiterhin für eine umfassende Regelung einsetzen.»
Nun muss der Nationalrat die vom Ständerat geschaffenen Differenzen beraten. Das wird nach Auskunft des Ratsbüros nicht mehr in der laufenden Session geschehen. Die vorberatende Kommission für Wirtschaft und Abgaben des Nationalrats (WAK-N) wird sich am 12. April des Geschäfts annehmen.
 

26. Januar 2010: WAK-S verabschiedet eine Gesetzesvorlage zur Regulierung der Bücherpreise

Am 26. Januar 2010 hat sich die Kommission für Wirtschaft und Abgaben des Ständerats (WAK-S) entgegen der ursprünglichen Absicht erneut über das Gesetz zur Regulierung der Bücherpreise gebeugt. Dies nachdem der Ständerat am 2. Dezember 2010 beschlossen hat, die WAK-S müsse darauf eintreten. 

Wie bekannt wurde, will die WAK-S nicht nur den ausländischen Internet-Handel von der Preisbindung ausnehmen, wie dies der Nationalrat beschlossen hatte, sondern auch den traditionellen Versandhandel. Das bedeutet, dass die WAK-S nicht nur nichts gegen die gesetzlich verankerte Diskriminierung des stationären Handels unternimmt – sollte das Gesetz so durchkommen–, sondern diese sogar durch die Ausweitung auf den ganzen Versandhandel noch verstärkt. Ein solches Preisbindungsgesetz wird vom Buchhandel kaum gewünscht werden.

Zudem hält eine Kommissionsmehrheit auch nichts vom sogenannten Bandbreitenmodell, das eine Preisüberhöhung bis zu 20% erlauben würde, sondern möchte dem Preisüberwacher die Kontrolle überlassen. Dieser soll garantieren, dass die Buchpreise den Kosten in der Schweiz entsprächen, ohne missbräuchlich zu sein.

«Wichtig ist für uns war vor allem, dass es überhaupt eine Gesetzesvorlage gibt, die im März im Ständerat verhandelt werden kann», kommentiert SBVV-Geschäftsführer Dani Landolf das Ergebnis der Sitzung. Dass die Kommission nicht allen Vorschlägen des SBVV folgen würde, hätte aufgrund der einseitigen Zusammensetzung angenommen werden müssen. «Sehr ärgerlich ist trotzdem, dass beispielsweise der grenzüberschreitende Handel weiterhin im Gesetz bleibt, zumal ja die Gegner einer Buchpreisbindung in der Ständeratsdebatte vom 2. Dezember 2009 selber auf diesen groben Mangel im Vorschlag des Nationalrats hingewiesen haben.» Landolf sieht nur zwei Erklärungen: «Entweder haben wir die Konsequenzen einer solchen Regelung noch immer nicht richtig vermitteln können oder die Gegner haben gemerkt, dass in beiden Parlamentskammern eine Mehrheit die Preisbindung bei Büchern aus kulturellen Überlegungen unterstützt, weshalb das Gesetz selber so schlecht gemacht werden soll, dass es die Branche schliesslich lieber zurückziehen will, als sich mit solch absurden Bestimmungen herumzuschlagen.» 

Der Ständerat wird sich in der Frühlingssession im März 2010 der Sache wieder annehmen.
 

2. Dezember 2009: Ständerat beschliesst Eintreten auf Buchpreisbindungsgesetz

Mit 15:23 Stimmen hat heute der Ständerat überraschend beschlossen, auf den Gesetzesantrag zur Regulierung der Bücherpreise einzutreten. Dies entgegen dem Antrag der Mehrheit der Kommission für Wirtschaft und Abgaben (WAK-S) und des Bundesrats. Damit schickt der Ständerat die Vorlage zurück in seine WAK zur Detailberatung. Voraussichtlich wird das Buchpreisbindungsgesetz in der Frühjahrssession wieder auf der Traktandenliste stehen.

Damit ermöglicht der Ständerat eine ausführliche Debatte über die Wiedereinführung der Buchpreisbindung und die Ausgestaltung des geplanten Gesetzes. Vor allem erlaubt der heutige Entscheid, den vom Nationalrat verabschiedeten Entwurf nachzubessern. Dies insbesondere, was den länderübergreifenden Internet-Buchhandel betrifft. In mehreren Voten kam zum Ausdruck, dass die vom Nationalrat beschlossene Regelung Schweizer Händler deutlich benachteilige und dies der Ständerat nicht gutheissen kann.

SBVV-Präsidentin Marianne Sax ist sehr erfreut über das Resultat: «Wir sind einen Schritt weiter. Der Entscheid, auf die Vorlage einzutreten, ist auch ein Zeichen dafür, dass der Ständerat die Buchpreisbindung nicht von vornherein abschreibt.» Allerdings ist sich Marianne Sax bewusst, dass noch ein harter Kampf bevorsteht. «Ich nehme an, dass wir uns beim Bandbreitenmodell auf Kompromisse einstellen müssen. Dafür zeigt der Ständerat bei der Frage des zwischenstaatlichen Online-Handels mehr Einsicht als der Nationalrat, was den SBVV sehr beruhigt.» Marianne Sax bedankt sich explizit bei den vielen SBVV-Mitgliedern, die sich engagiert für die Buchpreisbindung eingesetzt haben.
 

16. Oktober 2009: WAK-S will nicht auf Preisbindungsgesetz eintreten

Die Kommission für Wirtschaft und Abgaben des Ständerats hat am Freitag, 16. Oktober 2009, mit 5:8 Stimmen entschieden, nicht auf das vom Nationalrat bereits verabschiedete Preisbindungsgesetz einzutreten.
 

27. Mai 2009: Nationalrat stimmt Preisbindungsgesetz zu

Der Nationalrat hat als Erstrat am 27. Mai 2009 nach einer einer äusserst lebhaft und engagiert geführten Diskussion der Parlamentarischen Initiative Maitre grünes Licht gegeben: Mit 103 zu 74 Stimmen bei 5 Enthaltungen überwies der Rat die Vorlage an den Ständerat, der sich aller Voraussicht nach im Herbst das vom Nationalrat verabschiedete Gesetz vornehmen wird. Allerdings ein Gesetz, das nicht in allen Punkten den Erwartungen der Branche entspricht. In der Detailberatung lehnte er einen Antrag der WAK-Kommissionsminderheit ab, den grenzüberschreitenden Internethandel aus dem Gesetzestext (Geltungsbereich) zu streichen. Andererseits befürwortete er auf Antrag von Hans Kaufmann (SVP/ZH) die Streichung von Büchern, die als Lehrmittel für den Unterricht in der Schule konzipiert sind: Schulbücher werden also künftig, wenn nicht der Ständerat korrigierend eingreift, von der Preisbindung befreit sein.

Weit wichtiger und äusserst deutlich angenommen wurde der Minderheitsantrag der Kommission, das so genannte Bandbreitenmodell als Umrechungsrichtlinie für die Preisfestsetzung einzuführen; Bücher können maximal bis zu 120% der Umrechnung zum Euro-Referenzkurs überhöht werden. Allerdings müssen künftig die Preise auf der Basis des ausländischen Preises abzüglich der ausländischen Mehrwertsteuer kalkuliert werden – hier drang erneut Kaufmann mit einem Minderheitsantrag durch.

Nicht angenommen wurde ferner ein weiterer Minderheitsantrag, wonach Buchhändlerinnen und Buchhändler den festgesetzten Endverkaufspreis um bis 5% erhöhen oder reduzieren können, es bleibt also bei der Möglichkeit, 5% Rabatt geben zu können. Als letzte Hürde vor der Schlussabstimmung nach über dreieinhalb Stunden Debatte lehnte der Rat schliesslich einen Vorstoss von Kaufmann ab, die Preisbindung nach sechs Monaten aufzuheben – das Gesetz erlaubt nun den Verlagen, frühestens nach 18 Monaten die Preise aufzuheben. Der Rat schliesslich stimmte mit den Voten der Sozialdemokraten, Grünen und grossen Teilen der Christlichdemokraten dem Gesetz zu – abgelehnt wurde es vor allem von der Fraktion der Freisinnigen/Liberalen und der SVP, wobei hier vor allem SVP-Nationalrat Oskar Freysinger sicht- und hörbar der Parteiorder nicht gefolgt war und beherzt für das Preisbindungsgestez eintrat.
 

25. August 2008: WAK-N will Buchpreisbindungsgesetz

Die Kommission für Wettbewerb und Abgaben des Nationalrats (WAK-N) hat an ihrer Sitzung vom 25. August 2008 beschlossen, auf die Beratung eines Buchpreisbindungsgesetzes einzutreten und die Arbeit am Entwurf aufgenommen. «Dies ist ein wichtiger Schritt hin zu einer Wiedereinführung der festen Buchpreise und hin zu einer stärkeren Buchbranche im Interesse der Literatur- und Kulturszene Schweiz», kommentierte Marianne Sax, Präsidentin des Schweizer Buchhändler- und Verlegerverbandes (SBVV), den Entscheid der Kommission.

Nach dem Eintretensentscheid auf die parlamentarische Intitiative Maître hat die Kommission die Detailberatung aufgenommen. Sie wird die Arbeiten an ihrer Sitzung vom 13. und 14. Oktober fortsetzen.

Hintergründe zum Thema Buchpreisbindung, darunter auch die Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz ("Erste Auswirkungen der Aufhebung der Buchpreisbindung in der Schweiz") sowie die Stellungnahme des SBVV dazu finden Sie auf der Website: www.buchvielfalt-bewahren.ch
 

Frühjahr 2008: Kampagne "Buchvielfalt bewahren"

Ende August 2008 wird die parlamentarische Kommission für Wirtschaft und Abgaben (WAK) darüber entscheiden, ob sie auf den vorliegenden Entwurf für ein Schweizer Buchpreisbindungsgesetz eintreten wird. Bis dahin sind die festen Buchpreise sistiert, nachdem sich der Bundesrat am 2. Mai 2007 definitiv gegen eine Buchpreisbindung ausgesprochen hat. Im Hinblick auf diesen für die Buchbranche entscheidenden Termin hat der SBVV eine Kampagne lanciert, deren Herzstück die Charta für die Buchvielfalt ist.
 

Symposium "Vielfalt statt Einfalt", 2. Mai 2008 in Solothurn

Am 2. Mai 2007 wurde die Buchpreisbindung in der Schweiz vom Bundesrat ausser Kraft gesetzt. Aber von der Traktandenliste ist das Thema nicht. Voraussichtlich im kommenden August wird sich die zuständige Kommission des Nationalrats den vorliegenden Entwurf zu einem Buchpreisbindungsgesetz vornehmen, der sich an Modellen aus den umliegenden Ländern orientiert. Der Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verband SBVV setzt sich weiterhin für feste und faire Buchpreise ein - und damit für ein Buchpreisbindungsgesetz.

Bis dahin aber ist es noch ein weiter Weg - und er ist politisch umstritten. Deshalb hat der SBVV - genau ein Jahr nach dem Fall der Preisbindung im deutschsprachigen Landesteil - an einem internationalen Symposium eine erste Bilanz gezogen über die Situation des Schweizer Buchhandels.

«Vielfalt statt Einfalt» war der Titel der Veranstaltung im Alten Spital Solothurn, und die Auswirkungen des Bundesratsentscheides in der Praxis die zentrale Frage. An der Veranstaltung wurde aber auch ein Blick über den Tellerrand geworfen und geschaut, wie die Erfahrungen mit fixen und freien Preisen in andern Regionen und Ländern sind. Und schliesslich wurde die Frage des Preises über das Buch hinaus im Spannungsfeld zwischen Kulturgut und Marktprodukt thematisiert.

An der eintägigen Veranstaltung, die parallel zu den Solothurner Literaturtagen stattfand, referierten und diskutierten unter anderem der ehemalige französische Kulturminister Jack Lang, BAK-Direktor Jean-Frédéric Jauslin, die Philosophin Annemarie Pieper, Berlin-Verlag-Geschäftsleiterin Elisabeth Ruge, der Autor Peter Stamm, der britische Ökonom und Buchpreisspezialist Francis Fishwick und viele Praktikerinnen und Praktiker aus Buchhandel und Verlagen. Moderiert wurde der von über 160 Gästen besuchte kulturpolitische Literaturclub von Charles Clerc.


Informationen zum Symposium, einzelne Redner, Medienberichte, Bilder und vieles mehr finden Sie hier.