Ständerat will von Buchverlags-Förderung nichts wissen

Der Ständerat hat am 15. Juni 2011 den von der Kultur-Kommission vorgeschlagenen Betrag von 12 Millionen Franken (drei Millionen pro Jahr) für die Buchverlags-Förderung im Rahmen von «Succès Livre» mit 20 zu 17 Stimmen abgelehnt. Dies ist insofern erstaunlich, als dass der gleiche Rat in derselben Debatte kurz zuvor der Erhöhung des Finanzrahmens für Denkmalpflege (um 20 auf 105 Millionen Franken) oder der Filmförderung (um 10 auf 158 Millionen Franken) zugestimmt hat.

In der Kulturbotschaft 2012-2015 formuliert der Bund erstmals die Eckpunkte seiner Kulturpolitik. Dass dabei die Literatur und die Buchverlage überhaupt kein Thema sein sollen, ist für den SBVV unverständlich. Dies umso mehr, als dass mit «Succès Livre» ein fertiges Modell zur Förderung vorliegt, welches das Bundesamt für Kultur unterstützt und von der gesamten Branche mitgetragen wird.

Buchverlage sind ein zu wichtiger Pfeiler der Schweizer Kulturlandschaft, als dass sie in der nationalen Förderpolitik einfach aussen vor gelassen werden dürfen! Der SBVV wird versuchen, im Frühherbst 2011 im Nationalrat den Entscheid der Kleinen Kammer zu korrigieren.

(Mitteilung vom 18. Mai 2011)

WBK für Verlagsförderungsmodell «Succès Livre»

Die Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur des Ständerates (WBK-S) beantragt der Kleinen Kammer, die vom Bundesrat in der Kulturbotschaft 2012-2015 vorgeschlagenen Beträge zur Förderung der Kultur in den Jahren 2012 bis 2015 um 50,6 Mio. Franken zu erhöhen. Neben der Denkmalpflege oder dem Film sollen davon auch zwölf Millionen Franken (3 Mio. pro Jahr) in das Projekt «Succès livre et littérature» investiert werden.

Das Modell «Succès livre et littérature» sieht für Schweizer Verlage vor, sie entsprechend ihrem Erfolg am Lesermarkt zu fördern. Die Finanzhilfe wird auf Grund der im Buchhandel der Schweiz und in den Nachbarländern erzielten Kassen-Verkäufe berechnet. Die Finanzhilfe würde acht Prozent der Kassenumsätze betragen, maximal aber 50'000 Franken pro Verlag.

Verlage, die Fördermittel beanspruchen wollen, hätten sich anzumelden. Sie müssten ihren Sitz in der Schweiz haben und nachweisen, dass ihre Aktivität den Förderkriterien entspricht, dass sie das Verlagswesen professionell betreiben sowie am schweizerischen Buchmarkt teilhaben. Aufgrund der vorliegenden Marktdaten der Verkäufe (Media Control) ist ein administrativ wenig aufwendiges und transparentes Verfahren garantiert.

Erste Modellrechnungen haben ergeben, dass sich mit drei Millionen Franken rund 100 professionell arbeitende Schweizer Verlage aller Landesteile so unterstützen liessen, dass die Förderung bilanzwirksam und damit nachhaltig ist. Mit dem Entscheid der WBK-S wird die wichtige Rolle, die Buchverlage in der Schweizer Kulturlandschaft spielen, auf Bundesebene erstmals anerkannt.

Die Medienmitteilung der WBK-S vom 18. Mai 2011 zur Kulturbotschaft finden Sie hier. Und auf der Website des Bundesamtes für Kultur (BAK) ist das vollständige Dossier zur Kulturbotschaf 2012-2015.

Stellungnahme des SBVV zur Kulturbotschaft 2012-2015 (November 2010)

Der SBVV hat sich im November 2010 zum Entwurf der Kulturbotschaft 2012-2015 des Bundesamtes für Kultur (BAK) geäussert. Das Wichtigste in Kürze:

  1. Der Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verband SBVV begrüsst die Absicht, die Literaturförderung durch den Bund zu koordinieren und zu unterstützen. Zum ersten Mal sind Ansätze einer Buchpolitik des Bundes erkennbar. Die Kulturbotschaft ist ein Meilenstein auf dem Weg zur schon lange überfälligen Gesamtkonzeption einer schweizerischen Buchpolitik.
     
  2. Der Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verband SBVV unterstützt den Vorschlag, die Buchbranche statistisch besser zu erfassen. Dies ist eine unabdingbare Grundlage, um eine langfristig verlässliche Schweizer Buchpolitik aufzubauen.
     
  3. Der Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verband SBVV befürwortet den vorgeschlagenen Finanzrahmen zur Unterstützung von Literaturpreisen und erachtet die genannte Zusammenarbeit mit den Trägern bestehender Projekte als unabdingbar.
     
  4. Der Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verband SBVV fordert insgesamt 6.5 Millionen Franken für die Umsetzung des wegweisenden Literaturförderkonzepts „Succès livre et littérature“, wie sie im Bericht der Expertengruppe Geiser vorgeschlagen wird. Mit der in der Kulturbotschaft vorgeschlagenen Summe von einer Million Franken pro Jahr ist das Modell nicht umzusetzen. Diese Erhöhung des Budgets zugunsten eines Projekts, welche die gesamte Buchkette nachhaltig und effizient fördert, ist angesichts der offensichtlichen Unterdotierung der Buchförderung im Vergleich zu andern Kultursparten mehr als berechtigt.
     
  5. Der Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verband SBVV mahnt zur Vorsicht bei der Förderung von Digitalisierungsprojekten, die nicht sorgfältig auf Nutzen und Wirkung geprüft worden sind. Die vorschnelle Fokussierung auf ein noch unausgereiftes Projekt erachten wir als problematisch. Es muss Gewähr bestehen, dass die schweizerische E-Book-Produktion in die existierenden länderübergreifenden Vertriebsstrukturen integriert wird und keine teuren, isolierten Förderruinen geschaffen oder auf der andern Seite bestehende Marktteilnehmer konkurrenziert werden.
     
  6. Der Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verband SBVV fordert das BAK auf, sich für den Anschluss an europäische Kulturförderprogramme im Bereich Buch- und Verlagsförderung einzusetzen, wie bereits umgesetzt im Bereich Film mit dem EU-MEDIA-Programm oder Eurimages.

Die vollständige Antwort finden Sie hier: Stellungnahme des SBVV zum Entwurf der Kulturbotschaft 2012-2015