Schweizer Buchhändler-
und Verleger-Verband

Lockdown - was nun?

(aktualisiert - 06.04.2020 - 16:30)

Seit 17. März bis voraussichtlich 19. April 2020 bleiben alle Verkaufslokale in der Schweiz grundsätzlich geschlossen. Details stehen in der COVID-19-Verordnung 2 des Bundesrates. Stellen Sie einen Verstoss gegen dieses Verbot fest, wenden Sie sich an die zuständige Gewerbepolizei.

Das SECO informiert auf der Infoline laufend über aktuelle Beschlüsse. Zudem hat das BAK die Voraussetzungen der Ausfallentschädigung für Kulturveranstalter veröffentlicht.

Für psychologische Soforthilfe haben wir eine Hotline eingerichtet: 0842 30 30 30.

Die Unterstützungskasse und der Schweizer Bücherbon haben einen Fonds für die Corona-Soforthilfe aufgestellt.

Alle kantonalen Informationsquellen finden Sie hier.

Beachten Sie zudem folgende Informationen und Hinweise:

Der Bundesrat setzt per Donnerstag 26. März 2020 eine Soforthilfe zur Liquiditätsüberbrückung um. Überbrückungskredite bis zu CHF 500'000 (max. 10% des Jahresumsatzes) werden vom Bund vollständig durch Bürgschaften abgesichert. Dieser Überbrückungskredite können bei jeder Hausbank bzw. Postfinance beantragt werden. Die Verordnung und Details zur Vorgehensweise finden Sie hier. Der Zinssatz für die Überbrückungskredite beträgt 0%, bei Krediten über CHF 500'000 ein Satz von 0,5%.

Staatsabgaben: Inkassostellen bei Bund, Kanton und Gemeinden sind beim Einziehen von Staatsabgaben (z.B. Mehrwertsteuer, Akontozahlungen an Ausgleichskasse und Stromrechnung) Kulanz zu zeigen. Verlangen Sie eine Verlängerung der Zahlungsfrist oder vereinbaren Sie Ratenzahlungen. Diese sind zur Zeit ohne Verzugszinsen möglich.

Auch bei Versicherungsprämien lohnt es sich, einen Nachlass oder eine Verlängerung der Zahlungsfrist zu beantragen.

Der Schweizer Bücherbon bietet zinslose Sofort-Darlehen zwischen CHF 5'000 und CHF 10'000 mit einer Laufzeit von 24 Monaten an. Für Anträge oder Fragen wenden Sie sich an schweizer@buchbon.ch

Rechtsstillstand bei Betreibungen: Vom 19. März bis und mit 4. April 2020 dürfen Schuldnerinnen und Schuldner in der ganzen Schweiz nicht betrieben werden. Da danach gleich die Betreibungsferien einsetzen, gilt der Rechtsstillstand de facto bis 20. April 2020.

Für Kulturveranstalter gibt es ab sofort eine Ausfallentschädigung. Das Bundesamt für Kultur (BAK) hat am 6. April 2020 die entsprechenden Informationen veröffentlicht. Wichtig: es wird nicht mehr unterschieden zwischen «gewinnorientierten» Veranstaltern und anderen. Auch Verlage und Buchhandlungen können somit Ausfälle durch abgesagte Veranstaltungen geltend machen. Das BAK hat dazu eine nützliche Orientierungshilfe veröffentlicht, welche Art Gesuch wo gestellt werden muss. Grundlage bildet die neue «COVID-Verordnung Kultur».

NEU: Kurzarbeit kann ab sofort auch telefonisch vorangemeldet werden. Weggefallene Voranmeldefrist und weggefallene Karenztage werden rückwirkend ab Anfang März 2020 berücksichtigt. Maximaldauer beträgt neu sechs Monate!

Kurzarbeit ist nun für alle Arbeitnehmenden möglich, inkl. Auszubildende. Gemäss Information der SECO Hotline können auch arbeitgeberähnliche Personen, Kader und Gesellschafter von GmbHs und AGs Kurzarbeit beantragen, wenn der Betrieb von den bundesrätlichen Massnahmen betroffen ist. Die Kurzarbeit muss vorgängig der entsprechenden Behörde angemeldet werden. Das Formular für die Voranmeldung finden Sie hier zum Download. Es gilt eine verkürzte Anmeldefrist (auf dem Formular sind noch mind. 10 Tage erwähnt). Ausführliche Informationen zur Kurzarbeitsentschädigung auf der Homepage des SECO.

Selbständigerwerbende, Freischaffende und von Quarantänemassnahmen Betroffene haben neu ebenfalls Anspruch auf eine Entschädigung. Das SECO hat eine entsprechende Corona Erwerbsentschädigung (Merkblatt 6.03) publiziert.

Die Miete des Ladenlokals ist ein wesentlicher Kostenfaktor. Was also tun in Zeiten des Lockdowns? Unabhängige Gutachter kommen inzwischen zum Schluss, dass bei beördlich angeordneter Betriebsschliessung (COVID-19-Verordnung) eine Herabsetzung oder Aussetzung der Miete verlangt werden kann. Die wichtigsten Argumente haben wir in einem Merkblatt zusammengefasst. Dort finden Sie auch eine Anleitung, wie Sie zur Erreichung einer Mietzinsreduktion vorgehen können.

Unabhängig von den rechtlichen Möglichkeiten empfiehlt sich jedoch in jedem Fall Gespräch mit der Vermieterschaft und die Suche nach einer gemeinsamen Lösung.

Unterschreiben Sie keine Vereinbarung, die Sie nicht vollständig und zweifellos verstehen. Im Zweifelsfall lassen Sie sich unbedingt vor Unterzeichnung von einem Experten des Mieterverbands beraten.

Mustervereinbarungen und Musterbriefe sind auf der SBVV-Geschäftsstelle erhältlich: service@sbvv.ch. Das vom Mieterinnen- und Mieterverband in Auftrag gegebene Gutachten finden Sie hier.

Falls Sie mangels Liquidität den Mietzins nicht mehr überweisen können, müssen Sie den Vermieter unbedingt schriftlich und per Einschreiben über die Situation orientieren und um einen Erlass bzw. Stundung der Miete ersuchen. Der Bundesrat hat inzwischen die Zahlungsfristen auf 90 Tage erhöht.

Noch ist offen, ob der Bund Gelder zur Deckung von Mietzinsausfällen oder zur Zahlung der Miete zur Verfügung stellen wird.

Es ist davon abzuraten, die Miete ohne vorgängiges Gespräch einfach nicht zu zahlen. Sie riskieren damit, eine Abmahnung zu erhalten mit der Drohung, dass ohne Zahlung in neunzig Tagen die Kündigung wegen Zahlungsverzugs komme. Im Falle einer Kündigungsandrohung müssen Sie unbedingt innerhalb der Zahlungsfrist ein Mietzinsherabsetzungsgesuch bei der zuständigen Schlichtungsbehörde einreichen. Lassen Sie sich dafür unbedingt vom Mieterinnen- und Mieterverband beraten.

Sollte der Vermieter den Mietvertrag kündigen, fechten Sie die Kündigung an! Das müssen Sie innert 30 Tagen nach Erhalt der Kündigung oder, wenn Sie die Kündigung mangels Zustellung durch den Postboten bei der Poststelle abholen müssen, innert 30 Tagen ab dem ersten Tag der Abholfrist bei der zuständigen Schlichtungsbehörde tun.

  • Ein «Buch take-away» verstösst gegen die Vorschriften. Verkauf über die Gasse ist nur für Lebensmittel und Medikamente zugelassen.
  • Bücher können unbedenklich angefasst werden. Für Versand oder Lagerarbeiten sind keine Schutzhandschuhe notwendig.
  • Auslieferungen per Velokurier o.ä. sowie deponieren von Buchpäckli vor der Haustüre des Kunden oder in einem «Abholfach» vor dem Laden sind erlaubt, solange es zu keinem direkten Kundenkontakt kommt.

Das neue Coronavirus wirkt sich auch auf die Qualifikationsverfahren der beruflichen Grundbildung («Lehrabschlussprüfungen») aus. Die Berufslernenden sollen trotz Corona-Virus wie in den Vorjahren ihren Lehrabschluss mit einem eidg. Fähigkeitszeugnis bzw. einem eidg. Berufsattest realisieren können.

Der Bundesrat hat im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie am 20. März 2020 entschieden, dass Kurzarbeitsentschädigung auch für Lernende gilt.

Ansprechpartner und weitere Auskünfte für die Berufsbildung:

  • Für Lehrbetriebe und Berufsfachschulen ist der Ansprechpartner nach wie vor das kantonale Berufsbildungsamt.
  • Lernende wenden sich an ihren Lehrbetrieb, ihre Schule oder an ihr kantonales Berufsbildungsamt.

Appellieren Sie an Ihre langjährigen Kundinnen und Kunden und verstärken Sie Ihre Angebote per Telefon, Social Media oder über Ihre Website.

Wer noch keinen hat, könnte den nächsten Tagen eine online-Shop aufbauen. Auslieferung per Post, Velokurier oder durch Sie persönlich ist möglich. Sollten Sie keine Mailadressen Ihrer Kundinnen und Kunden haben, machen Sie mit Flyern im Quartier auf sich aufmerksam. Noch gibt es kein Ausgehverbot!

Bücher-Hotline: Es ist ratsam, zumindest das Telefon weiterhin besetzt zu halten, auch telefonische Beratung und Bestellentgegennahme trägt zur Kundenbindung bei.

(16.3.20) Der Zwischenbuchhandel gewährleistet weiterhin die Belieferung der Buchhandlungen. Auch bei einer Schliesslung der Ladenlokale sind weiterhin alle Services für Verlage und die Belieferung der Online-Shops garantiert. Sie können also Ihre Portale weiterbetreiben oder verstärkt bewerben und Bestellungen Ihrer KundInnen per Telefon, Mail, Social Medias oder Webseiten entgegennehmen. Angeboten wird auch weiterhin der Endkundenversand im Auftrag von Buchhandlungen. Fragen Sie diese Dienstleistung nach, sofern Sie sie nicht schon nutzen.

(17.3.20) Das Buchzentrum BZ schreibt in einer Mitteilung: «Sollte bei Ihnen durch die Schliessung der Verkaufsräume ein aktues Liquiditätsproblem auftreten, prüfen wir mit Ihnen eine Verlängerung des Zahlungsziels im Rahmen unserer Möglichkeiten.»

(16.3.20) Leider lassen sich viele Fragen nicht allgemein beantworten. Haben Sie dringende Anliegen im Zusammenhang mit Behördenanträgen, der Interpretation der bundesrätlichen Verordnung oder betrieblicher Fragen, so schreiben Sie uns eine Mail an service@sbvv.ch und wir werden Sie raschmöglichst an eine Fachperson weiterleiten. Telefonisch ist die Geschäftsstelle zur Zeit leider nur sehr eingeschränkt erreichbar.

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