Newsletter Schweizer Buchhandel
Ausgabe 33/2026 vom 10. September 2026
1. Schweizer Buchpreis
1. Die fünf nominierten Bücher stehen fest
Auf der Shortlist des Schweizer Buchpreises 2026 stehen fünf Romane. Die Auszeichnung, insgesamt dotiert mit 42’000 Franken, wird ausgerichtet vom SBVV und LiteraturBasel. Das sind die fünf Romane, vorgestellt von der Jury:
«Königin der Nacht» von Lukas Bärfuss, Rowohlt:
Lukas Bärfuss erzählt vom Aufwachsen mit einer Mutter, die sich selbst «Rabenmutter» nannte: eine Frau ohne Bildung, ohne Geld und ohne Perspektiven. Er landete als Halbwüchsiger auf der Strasse, der Mutter blieb im Alter kein anderer Ausweg als die Armutsmigration in die Karibik. Im Rückblick wird diese persönliche Leidensgeschichte mit der Sozial- und Politikgeschichte der Schweiz verknüpft. Mit Wut und Wucht fragt Bärfuss, welchen Anteil gesellschaftliche und staatliche Verhältnisse an der Lebenssituation seiner Mutter hatten – und macht so aus einer Familiengeschichte eine Auseinandersetzung mit gesellschaftlicher Verantwortung.
«Hauptsache kein Zeitgeist» von Hayat Erdoğan, Claassen:
6. Februar 2023: In der Türkei und in Syrien hat die Erde gebebt. Die Ich-Erzählerin sitzt zu Hause und wartet auf Nachricht von ihren Verwandten und lässt gleichzeitig ihr Leben, das sie als Tochter einer türkischen Familie in Deutschland gelebt hat, Revue passieren. Und da ist noch die Sehnsucht nach «Niemand», dem Mann, der sie verlassen hat und den sie nicht loslassen kann. In «Hauptsache kein Zeitgeist» entfaltet sich in 24 Stunden, gegliedert in 24 Gesänge, die Komplexität und Vielfalt der Gegenwart. Formal mutig und innovativ, umkreist die Erzählerin grosse Themen wie Migration und Feminismus, sucht Erklärungen in der Sozialphilosophie, denkt über die Beziehung zur Mutter nach und lernt schliesslich sich selbst neu kennen.
«Die Auster» von Yael Inokai, Hanser Berlin:
Dr. Bronstett, der Geschäftsführer eines legendären Berliner Kaufhauses, wird ermordet aufgefunden. Die 73-jährige Reinigungskraft Leonora Bloch hat bereits alle Spuren beseitigt, als die Polizei am Tatort eintrifft. Schnell zeigt sich, dass in diesem Roman nicht die Aufklärung die Hauptsache ist, sondern der Mikrokosmos der Kaufhauswelt, den Yael Inokai mit leichter Hand entwirft. Es ist eine Welt, in der Glanz und Elend, Luxus und Armut aufeinandertreffen. Mit geschliffenen Dialogen und mit stilistischer Raffinesse entwickelt Inokai ein Beziehungsgeflecht, in dessen Zentrum eine Person steht, die meistens unsichtbar und selten Romanheldin ist: die Reinigungskraft.
«Das grosse Eis» von Sonja Sophie Kreis, Rowohlt Berlin:
Anna hat ihren Bruder seit 40 Jahren nicht mehr gesehen. Er lebt zurückgezogen in Grönland. Nach dem Tod der Eltern reist Anna zu ihm. Während sie in einem Hotel auf ihn wartet, erinnert sie sich an ihre Kindheit. Ihre deutsche Mutter heiratete in den 50er-Jahren über die Grenze in die Schweiz, wo sie nicht willkommen war. Während die Familie vordergründig ein verschontes Leben lebt, hinterlassen der Krieg und seine Verwerfungen Spuren. Mit starken Bildern und sprachlicher Präzision verwebt die Autorin die überwältigenden Eindrücke in Grönland mit den Nachkriegsjahren im Deutsch-Schweizer Grenzland zu einem grossen Familienroman.
«Unwucht» von Sarah Elena Müller, Limmat:
Unendlich oft hat Alice gewartet, auf Rio, auf einen Anruf von ihm, auf ein Zeichen. Sie hatten sich im Kunststudium kennengelernt. Nun verliert er sich in kleinkriminellen Machenschaften und in seiner Drogensucht. Sie jobbt als Kellnerin, klammert sich an unfertige Liebeslieder und will nicht sehen, was die Freundinnen schon lange erkennen: Sie muss weg von ihm. Sieben Jahre später steht Alice vor Rios Tür und will nochmals mit ihm reden. Sie schreibt an einem Buch über die gemeinsame Zeit, um ihre Geschichte zu verstehen. Aber was kann man, was darf man erzählen? Mit sprachlicher Kraft und Witz erkundet die Autorin in «Unwucht» die Abhängigkeit innerhalb einer Beziehung und die Verstrickungen einer heillosen Liebe.
Die Jury 2026
- Tim Felchlin, freischaffender Literatur- und Kulturjournalist
- Simone Nuber, Master of Science und Inhaberin der libraria poesia clozza Scuol
- Benjamin Schlüer, Literaturwissenschaftler, Vermittler und Veranstalter Literaare Thun, neu
- Silvia Süess, Literaturredaktorin und Kulturjournalistin WoZ, neu
- Manuela Waeber, Co-Leiterin Literaturhaus Zentralschweiz und Partnerin Frieda KulturBeratung. Bei der Beurteilung von «Das grosse Eis» trat sie aufgrund ihrer begleitenden Mitwirkung am Roman in den Ausstand. Sie nahm an der Diskussion, Entscheidungsfindung und Wahl zu diesem Werk nicht teil.
Sponsoring und Partnerschaften 2026
Der Schweizer Buchpreis wird unterstützt von der Goldsponsorin, der Buchhandlung Orell Füssli, dem Schweizer Bücherbon, der Forlen Stiftung, der Jan Michalski Stiftung sowie 25 Partnerbuchhandlungen und Bibliotheken. Die Lesetour der Nominierten wird unterstützt von der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia.
Weitere Themen:
2. Deutscher Buchpreis
2. Kein & Aber mit «Orca» auf der Shortlist
3. Umsatzentwicklung im August 2026
3. Ein guter Monat
4. Neuer Schweizer Gemeinschaftsstand
4. «Atelier Schweiz» startet 2027 in Leipzig
5. Pisa-Studie
5. Lesekompetenzen gehen signifikant zurück
6. Schweizer Buchpreis
6. Gestern war Packtag im Buchzentrum
7. Österreichischer Buchpreis
7. Longlist mit 16 Nominierungen
8. Limmat
8. Tag der offenen Tür
10. ZDF-«aspekte»-Literaturpreis
10. Fünf Debüts im Finale
11. Kalenderpreis des Deutschen Buchhandels
11. Bestenliste 2027 - Atrium dabei
