Newsletter Schweizer Buchhandel
Ausgabe 10/2026 vom 12. März 2026
8. Interview mit Thomas Köhler
8. «Historisch waren Druckereien, Buchhandel und Papeterie eng miteinander verbunden»
Vor kurzem hat Thomas Köhler das Papeterieunternehmen Köhler mit 13 Standorten zu 100 Prozent an Orell Füssli Thalia verkauft (SBVV-Newsletter 5/2026). Gegründet wurde A. Köhler vor 122 Jahren. Thomas Köhler, der das Unternehmen in vierter Generation geführt hat und Verwaltungsrat bleibt, ist ausserdem Präsident des Verbands Schweizer Papeterien. Anlass, einen Blick in die Welt des Papeterie-Detailhandels zu werfen.
Vor über 100 Jahren waren Papeterien und Buchhandlungen häufig kombinierte Geschäfte, dann folgte eine Phase der Separierung. Sehen Sie als Präsident des Verbands Schweizer Papeterien ein erneutes Zusammenrücken der beiden verwandten Detailhandelssparten?
Thomas Köhler: Historisch waren Druckereien, Buchhandel und Papeterie eng miteinander verbunden. Sie bedienten ähnliche Kundengruppen und standen für vergleichbare Werte wie Bildung, Kultur und Qualität. Die spätere Trennung entstand vor allem durch zunehmende Spezialisierung und Effizienzdenken im Detailhandel. Heute beobachten wir in gewissen Bereichen wieder eine Annäherung. Kundinnen und Kunden suchen kuratierte Sortimente – oft über verschiedene Produktwelten hinweg. Neben Büchern gewinnen auch Papeterieartikel, Spielwaren und Kinderprodukte an Bedeutung. Zentral ist: Eine Kombination funktioniert nur dann nachhaltig, wenn die jeweiligen Sortimente mit echter Fachkompetenz und Überzeugung geführt werden.
Gab es bei Köhler in der 122-jährigen Geschichte auch eine Kombination mit Buchhandel oder war Köhler immer ein reines Papeteriegeschäft?
Köhler war ursprünglich als Druckerei aufgestellt und entwickelte sich ab 1917 konsequent zu einem Papeterie-Fachgeschäft. Bücher waren punktuell Teil des Angebots, jedoch nie im Sinne eines klassischen Buchhandels.
Was würden Sie als eine Besonderheit der Köhler-Papeterien bezeichnen?
Das Wachstum orientierte sich stets an regionalen Bedürfnissen, nicht an aggressiver Expansion. Besonders prägend war die starke Identifikation der Mitarbeitenden mit dem Unternehmen. Dieses langfristige Denken war wichtiger als schnelles Wachstum.
Gestaltete sich die Nachfolgesuche als schwierig? Wie kam es zur Lösung mit Orell Füssli?
Ich bin 64 Jahre alt. Die Nachfolgeregelung war ein längerfristiger Prozess. Wir haben verschiedene Optionen geprüft – intern wie extern. Für mich standen klare Kriterien im Vordergrund: die Sicherung der rund 70 Arbeitsplätze, die Weiterführung der Marke Köhler, ein echtes Verständnis für Papeterie als Fachhandel sowie eine langfristige Perspektive. Orell Füssli Thalia überzeugte darüber hinaus vor allem durch ihre bestehende Papeterie-Kompetenz.
Ist das ein Trend, dass Buchhandlungen und Papeterien wieder vermehrt zusammen gedacht werden?
Kombinationen nehmen punktuell zu, sind aber kein universelles Erfolgsmodell. Vielmehr hängt es vom jeweiligen Standort, Marktumfeld und Konzept ab. Wir beobachten eine Tendenz zu kleineren, gut kuratierten Formaten.
Der Kleinteiligkeit des Papeteriegeschäfts muss man sich bewusst sein. Wo kann sich eine Buchhandlung beraten lassen, die sich für Papeterie als Zusatzgeschäft interessiert?
Papeterie ist ein eigenständiges Fachgebiet mit spezifischer Ausbildung und eigenen Marktmechanismen. Die Anforderungen an Sortimentstiefe, Saisonalität und Lieferantenmanagement sind hoch. Beratung bieten Branchenverbände, erfahrene Papeterien und spezialisierte Lieferanten. Wichtig ist ein schrittweiser Einstieg, nicht der sofortige Vollausbau.
Wonach besteht im Papeteriegeschäft heute grosse Nachfrage?
Die Nachfrage hat sich in Richtung hochwertiger Schreibwaren, Design-und Geschenkartikel sowie nachhaltiger Produkte verschoben. Auch Kinderartikel, Spielwaren und Schulprodukte gewinnen an Bedeutung. Reine Standardartikel treten zunehmend in den Hintergrund. Papeterien entwickeln sich stärker zu Erlebnis- und Inspirationsorten.
Wie viele Papeterien sind in der Schweiz in den letzten Jahren verschwunden?
Ein leichter Rückgang ist vor allem bei kleineren Einzelbetrieben spürbar. Hauptgründe sind fehlende Nachfolgelösungen, steigende Kosten und ein verändertes Konsumverhalten. Gut positionierte Fachgeschäfte mit klarer Ausrichtung zeigen hingegen eine stabile Entwicklung. Qualität und Profilierung sind entscheidend.
Jedes zweite Buch wird in der Schweiz inzwischen online bestellt, schätzt der SBVV. Wie sieht das bei Papeterieprodukten aus?
Der Online-Anteil liegt im Papeteriebereich deutlich tiefer als im Buchhandel – mit Ausnahme des Firmenkundengeschäfts im Bereich Büromaterial. Der stationäre Handel bleibt zentral. Events, Workshops und Geschenkideen stärken die Kundenbindung. Eine Online-Präsenz kann sinnvoll sein, ist jedoch nicht für jede Papeterie zwingend. Der stationäre Fachhandel bleibt das Herzstück des Geschäfts.
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