Schweizer Buchhandels- und
Verlags-Verband SBVV

Newsletter Schweizer Buchhandel
Ausgabe 25/2026 vom 25. Juni 2026

7. Zürich
7. KLIO Buchhandlung und Antiquariat schliesst auf Ende August nach 36 Jahren

KLIO Buchhandlung und Antiquariat an der Zähringerstrasse unweit vom Zürcher Hauptbahnhof, von der Universität und der Zentralbibliothek ist die wohl letzte wissenschaftliche Buchhandlung der Schweiz. Die Kundschaft besteht vorwiegend aus Lesenden von sozialwissenschaftlicher Literatur, dazu Schulen, Uni und Bibliotheken. KLIO wurde von der Historikerin und Buchhändlerin Christine Heiniger und dem Buchhändler und Antiquar Christoph von der Crone gegründet. Zu den Gründungsmitgliedern zählen ausserdem die Historiker Klaus Linow und Jürg Zbinden. Klio ist eine der neun Musen in der griechischen Mythologie; die der Geschichtsschreibung. Wir sprachen mit Christine Heiniger über 36 Jahre KLIO.

KLIO ist eine Institution. Wer einmal in Zürich studierte, kennt wohl diese Buchhandlung mit Antiquariat. Warum fand sich keine Nachfolge dafür?
Christine Heiniger: Wir schliessen, weil die Liegenschaft saniert wird und wir deshalb die Kündigung für die Räume erhielten. Das Hotel Rütli im gleichen Haus schliesst für zwei Jahre. Für eine Buchhandlung ist ein solcher Unterbruch nicht möglich.

Ein Umzug kam nicht in Frage?
Wir sind alle schon pensioniert oder stehen kurz davor. Darum: nein. Ausserdem würde man eine solche Lage nicht mehr finden. Eine Nachfolge ohne Ladenlokal zu suchen, ist illusorisch, und dass jemand anderes nun eine wissenschaftliche Buchhandlung eröffnet – da passt wohl der Zeitgeist nicht mehr. Die letzten 10 Jahre nahm die Anzahl der Studierenden bei uns laufend ab. Die Bedeutung der Zusammenarbeit mit Bibliotheken und Schulen hat sich dafür laufend verstärkt. Wir schliessen nicht aus Renditegründen.

Die Neuausschreibung der Pestalozzi-Bibliotheken 2023 hatte den unabhängigen Zürcher Buchhandel empfindlich getroffen. War KLIO nicht mitbetroffen?
Wir solidarisierten uns mit unseren Kolleginnen und Kollegen, waren als Buchhandlung aber nicht betroffen. Wir sind in wissenschaftlichen Bibliotheken verankert – die Zentralbibliothek, viele Uni-Bibliotheken –, und zwar von Anfang an. Auch die Kantonsschulen hatten für uns seit jeher eine grosse Bedeutung. Diese institutionelle Kundschaft wuchs in den letzten Jahren stetig. Unsere Dienstleistungen und unsere Kenntnisse wurden geschätzt, und wir erlebten Schulen und Bibliotheken als interessiert daran, lokal einzukaufen. Die Zusammenarbeit war unkompliziert und wertvoll, das wurde geschätzt.

Wohin wandert diese wichtige institutionelle Kundschaft?
Ich mache unsere Kundschaft wie auch Schulen und Bibliotheken auf den unabhängigen Buchhandel in der Stadt Zürich aufmerksam.

Sie leiteten 36 Jahre lang ohne Unterbrechung ihre eigene wissenschaftliche Buchhandlung. Wie kamen Sie dazu?
Nach dem Geschichtsstudium machte ich eine Buchhändlerinnenlehre bei Hans Rohr. Dort arbeitete ich mit Christoph von der Crone zusammen. Wir wollten uns selbstständig machen, mit den Schwerpunkten Geschichte, Philosophie und Sozialwissenschaften. Zwei weitere Historiker kamen als Inhaber dazu. Eine eigene Buchhandlung zu gründen war damals ein Traum, den viele erfolgreich umsetzten, es gab in Zürich einige spezialisierte Buchhandlungen im Universitätsumfeld. Als Hans Rohr schloss, nahmen wir weitere Schwerpunkte hinzu, wie Germanistik oder alte Sprachen. Wir konnten sehr schnell Fuss fassen.

Schliessen Sie mit einem lachenden und einem weinenden Auge – nach dieser Erfolgsgeschichte von fast vier Jahrzehnten?
Ich gebe zu, aktuell habe ich eher noch zwei weinende Augen. Eine Ära geht zu Ende, und auch unsere Kundschaft hat das Gefühl, es geht etwas weg, das nicht mehr kommt. Wir empfinden das selber als starken Verlust. Wofür ich dankbar bin: Wir haben aktuell nur zwei Angestellte, die aus Altersgründen keine neue Stelle suchen müssen. Darüber bin ich als Inhaberin froh.

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Foto: Erik Brühlmann

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