Newsletter Schweizer Buchhandel
Ausgabe 26/2026 vom 02. Juli 2026
5. Jubiläum
5. 50 Jahre Christoph Merian Verlag
Die Geschichte des Christoph Merian Verlags begann genau heute vor 50 Jahren: Am 2. Juli 1976 beschloss die Christoph Merian Stiftung, einen eigenen Verlag zu gründen – als verlegerische Heimat für die Baseldeutsch-Grammatik von Rudolf Suter sowie für das Basler Stadtbuch. Letzteres hatte die Stiftung seit einigen Jahren finanziell unterstützt, und der bisherige Verlag wollte die Publikation nicht mehr weiterführen. Heute ist das Programm auf über 650 Titel angewachsen. Vier Fragen an Oliver Bolanz, der 2003 zum Verlag stiess und ihn seit 2007 leitet:
Der Christoph Merian Verlag ist 50 Jahre alt. Was haben Sie in diesem Jubeljahr alles geplant?
Oliver Bolanz: Es gibt eine spezielle Jubiläumsaktion für die Buchhandlungen. Sie können zehn Backlist-Titel bestellen und erhalten einen hohen Rabatt. Hinzu kommt eine grosse Social-Media-Kampagne, die in diesen Tagen angelaufen ist. Unsere Autorinnen und Autoren stellen in Videos ihre Bücher vor und empfehlen jeweils ein anderes Buch aus unserem Verlag. Und natürlich gibt es auch ein Fest! Es findet im September für rund 200 geladene Gäste statt. Das Programm ist geheim. Ich verrate nur so viel: Es wird keine endlosen Reden geben – eine Rede genügt. Dann gibt es auch Hintergrundinformationen zum Verlag, aber auf lustige Weise verpackt. Im Zentrum stehen jedoch Begegnungen, Geselligkeit, Gespräche und gutes Essen.
Der Verlag wurde als verlegerische Heimat für zwei baselbezogene Bücher gegründet. Heute sind Kunst-, Fotografie- und Architekturpublikationen ein Grundpfeiler. Wie kam es zu dieser Entwicklung?
Nach der Gründung des Verlags passierte lang nicht viel, es erschienen nur wenige Titel pro Jahr. Das änderte sich erst in den frühen 1990er-Jahren. Damals stiess der Historiker Beat von Wartburg zum Verlag, wenig später übernahm er die Leitung. Man stellte sich die grundlegende Frage, wofür die Christoph Merian Stiftung (CMS) – über ihr bisheriges Engagement für historische Themen rund um Basel hinaus – eigentlich steht. In der Folge wurde das Programm gezielt auf Kunst, Fotografie und später Architektur ausgeweitet. Die Fotosammlung «Im Licht der Dunkelheit» war schliesslich das erste Buch des Verlags, das eine Auszeichnung erhielt. Später kamen auch Bücher zu gesellschaftlichen Themen hinzu, aktuell zum Beispiel «Anders alt» oder «Freiwillig engagiert». Das sind durchaus stiftungsnahe Themen. Ich würde uns deshalb nicht als Architektur- oder Kunstverlag bezeichnen. Unser Programm ist zwar nicht riesig, dafür aber sehr vielfältig. Für baselbezogene Titel können wir nach wie vor bei der Stiftung um finanzielle Unterstützung ersuchen. Aber sonst agieren wir als normaler Verlag mit eigenständigem Profil und als ‹normaler› Player in der Schweizer Verlagslandschaft.
Der Verlag publiziert bis zu 20 Titel pro Jahr, hat aber nur ein sehr kleines Team. Wie ist das möglich?
Wir haben keine festangestellten Grafiker oder Lektorinnen. Deshalb stellen wir für jedes Buch ein eigenes Team aus externen Fachleuten zusammen. Die Aufgabe des Kernteams ist die Steuerung des gesamten Produktionsprozesses. Wir konzentrieren uns auf die Programmauswahl, auf das Qualitätsmanagement, die Vermarktung und den Vertrieb. Wir machen aber nur etwa die Hälfte unserer jährlichen Neuerscheinungen von A bis Z selbst. Die andere Hälfte besteht aus Projekten, für die wir eine Vertriebsvereinbarung haben. Bei diesen arbeiten wir zwar eng mit unseren Partnern zusammen, diese beauftragen aber die entsprechenden Fachleute. Wir stellen dabei lediglich das Ökosystem unseres Vertriebs, der Werbung und der Pressearbeit zur Verfügung. Sonst wären 20 Titel pro Jahr nicht möglich.
Rund 650 Titel in 50 Jahren – das ist viel! Haben Sie ein Lieblingsbuch?
Mir gefallen eigentlich die meisten unsere Bücher, da eines herauszupicken ist schwierig. Aber es gibt eines, das für mich prägend war. Ich stiess 2003 zum Verlag und war zunächst für Vertrieb, Marketing und Werbung verantwortlich. 2004 kamen Bruno Mansers «Tagebücher aus dem Regenwald» heraus und wurden ein Bombenerfolg, der jahrelang anhielt. Ich fand es irrsinnig, in was für einem Verlag ich da gelandet war! 2019 kam der Film über Bruno Manser in die Kinos. Damals waren die Tagebücher vergriffen. Für uns war aber klar, dass diese vier Bände im dicken Schuber zum Kinostart wieder zur Verfügung stehen müssten. Sie neu aufzulegen, war allerdings gar nicht so einfach, weil die alten Dateien kaum mehr lesbar waren. Aber wir kriegten es zusammen mit der Druckerei hin. Im August 2019 kam die überarbeitete Neuauflage heraus – und wieder war sie innerhalb kürzester Zeit weg. Diese Publikation ist sozusagen ein Kompendium unseres Verlagsprogramms: Bruno Manser ist in Basel geboren und in der Region aufgewachsen, die Tagebücher enthalten tolle Zeichnungen, die sowohl ästhetisch als auch künstlerisch wertvoll sind, und sie handeln von gesellschaftlichem Engagement.
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