Newsletter Schweizer Buchhandel
Ausgabe 35/2026 vom 24. September 2026
20. In memoriam
20.
Anne Rüffer, 1957 - 2026
Anne Rüffer ist gestorben. Und doch fühlt es sich falsch an, über sie im Präteritum zu schreiben. Sie ist hier: in den Büchern, die sie veranlasst, lektoriert oder geschrieben hat, und in jenen, die sie erst noch lektorieren und schreiben wollte.
Dass sie nun aus der Wirklichkeit in die Erinnerung umgezogen ist, will mir nicht in den Kopf.
Wir haben oft diskutiert. Manchmal waren wir uns einig, manchmal nicht. Anne ging beides, die Einhelligkeit wie den Streit, mit der gleichen Begeisterung an. Dies machte das eine entspannend, das andere anregend. Es ging ihr nie darum, recht zu bekommen. Es ging ihr um die Sache – um eine Idee, eine Geschichte, ein Buch. Und um die Freude daran, gemeinsam herauszufinden, wie viel welcher Einfall taugte.
Wir haben zusammen Bücher gemacht. Der Satz ist so schlicht wie bedeutungsschwer. Er schliesst auch jene Manuskripte ein, über die wir bloss laut nachgedacht haben. Sätze, an denen wir hängenblieben. Ideen, die am Nachmittag vielversprechend, am Abend ganz ordentlich und am nächsten Morgen hohl klangen. Entscheidungen, die wir in fünf Minuten trafen, und andere, über die wir fünf Wochen lang nachdachten. Und dann dieses eigentümliche Glück, wenn aus etwas, was zunächst nur ein Gedankenspiel war, irgendwann ein Buch wurde, das man in die Hand nehmen konnte.
Mit Anne über Bücher zu sprechen, war stets ein Erlebnis. Sie hatte die Gabe, über fiktive Figuren so zu sprechen, als wären sie bei uns, als würden sie zuhören und sich gelegentlich sogar einmischen. Auch darum waren Lektoratssitzungen mit ihr nie bloss Arbeit an Texten. Es waren Gespräche über Menschen: über ihre Schwächen, Hoffnungen und Widersprüche und darüber, warum sie tun, was sie tun.
Vielleicht wurde deshalb aus der beruflichen Zusammenarbeit eine tiefe Freundschaft.
Unsere Gespräche werden mir sehr fehlen. Und mit ihnen all die Bücher, die wir noch nicht gemacht haben. Die Manuskripte, über die wir noch nicht gestritten haben. Die Ideen, die ich ihr erst noch erzählen und ihrem klaren, oft gnadenlosen Urteil aussetzen wollte.
Das ist schwer hinzunehmen. Man kennt die Stimme, man ahnt oder fürchtet die Antwort, man freut sich auf die neuen Einfälle, die aus dem Gespräch entstehen werden. Und plötzlich hört das Gespräch auf. An seine Stelle tritt die Erinnerung.
Anne war eine Verlegerin, deren Begeisterung ansteckend war. Sie hat uns, ihre Autorinnen und Autoren, inspiriert und irritiert, beflügelt und verblüfft. Dank ihr sind wir zu besseren Ideen gekommen und haben bessere Bücher geschrieben.
Wir werden die Gespräche mit unserer Verlegerin, Lektorin und Freundin in Gedanken weiterführen. Denn es fühlt sich wirklich falsch an, über Anne im Präteritum zu schreiben.
Karl Rühmann
Von Karl Rühmann erschien bei rüffer & rub zuletzt der Roman «Matija Katun und seine Söhne».
Weitere Themen:
1. Leipziger Buchmesse 2027
1. Jetzt noch für den Gemeinschaftsstand anmelden
2. Corrigenda
2. Auch zeitkind auf der Hotlist 2026
3. Schweizer Buchzentrum / «Literatur & Bühne»
3. Olten erhält einen Verlagsraum
4. rüffer & rub
4. Verlegerin Anne Rüffer ist gestorben
5. SBVV
5. Neuerungen zur Totalrevision der Ausbildung Buchhändler/-in EFZ vorgestellt
6. RISE Booksellers Exchange Programm
6. Québec - Frauenfeld
7. ISBN-Kongress
7. Internationales Jahrestreffen in Madrid
8. Deutscher Sachbuchpreis 2027
8. Ausschreibung beginnt
9. Spoken Word Festival woerdz
9. Das Programm ist online
10. Deutschland
10. Shortlist «Lieblingbuch der Unabhängigen»
12. Fumetto
12. Zwei Ausschreibungen
13. Literaturtage Zofingen
13. Das Programm ist veröffentlicht
14. Booker Prize
14. Shortlist veröffentlicht
15. Seraph
15. Einreichungen ab jetzt möglich