Schweizer Buchhandels- und
Verlags-Verband SBVV

Newsletter Schweizer Buchhandel
Ausgabe 24/2026 vom 18. Juni 2026

12. SJW
12. Afra Sturm wird neue Präsidentin

An der SJW-Vernissage vor einer Woche übergab die Stiftungspräsidentin Claudia de Weck nach 12 Jahren ihr Amt an Afra Sturm (Foto rechts, Mitte), Professorin für Deutsch und Deutschdidaktik und Co-Leiterin des Zentrums Lesen an der Fachhochschule Nordwestschweiz. Zur Feier dieser Übergabe gab es auf der Bühne ein Gespräch zwischen Claudia de Weck und Dozent und Bilderbuchkenner Hans ten Doornkaat (Foto links oben). Dieser ordnete zunächst die enorme Bedeutung von SJW für die Schweiz ein – das «Schweizerische Jugendschriftenwerk» war 1931 in Olten von Lehrerschaft gegründet wurde, damit Kinder und Jugendliche leicht an qualitativ anspruchsvollen und zugleich günstigen Lesestoff herankommen sollten. Die Kult-Bilderbücher in Heftformat widmen sich bis heute auch regelmässig Schweizer Themen.

Claudia de Weck erzählte auf der Bühne, warum sie die Anfrage von Vize-Stiftungspräsident Peter Gyr damals annahm: «Ich wusste, dass die Verlagsleiterin Margrit Schmid den Verlag quasi gerettet und mit ihrem Qualitätsanspruch Enormes geleistet hat.» Ihre eigene grösste Leistung sei, dass sie mit der damaligen Vizepräsidentin Anne-Marie Wells 2015 Regula Malin als Nachfolgerin für Margrit Schmid aus über 100 Bewerbungen gefunden habe: «Sie hat das Werk von Margrit Schmid weitergeführt und noch eins oben drauf gesetzt. SJW ist heute auch eine Plattform für Schweizer Illustratorinnen und Illustratoren, Autorinnen und Autoren. Junge Kreative können das erste Mal bei uns publizieren, etablierte erhalten ebenso eine Bühne, und Regula Malin hat es geschafft, Innovation und Tradition zu verbinden.»

Auch Hans ten Doornkaat erzählte begeistert davon, wie es Margrit Schmid und Regula Malin gelungen sei, ein «leicht verschnarchtes Traditionsmedium mit geballter Innovationskraft zu füllen.» Die Begeisterung in diesem Podiumsgespräch über die Verlagsleitung war so gross, dass Regula Malin drei Mal aus der ersten Reihe aufstand und rief: «Jetzt reicht’s aber!» Neben ihr sass Kati Rickenbach und zeichnete die verschiedenen Gesprächsformationen auf der Bühne (Foto links oben). – Ein Drittel der Einnahmen von SJW kommen vom Bund, von den Kantonen und Gemeinden, ein Drittel stammt vom Verkauf der Hefte, den Rest sichern Drittmittel. SJW ist in vielerlei Hinsicht eine Schweizer Besonderheit: Es hat einen hohen Status und besitzt traditionell einen direkten Zugang zu den Schulen, es ist Verlag und Leseförderungsinstitution zugleich, und SJW publiziert nicht nur, sondern vermittelt auch. Claudia de Weck sagt, sie sei deshalb sehr glücklich, dass Afra Sturm ihre Nachfolge antrete: «Sie ist die ideale Nachfolgerin, denn sie ist vernetzt in pädagogischen Hochschulen und weiss genau, wie sich das Lesen und die Schulstrukturen verändert haben.»

Der Anlass machte die Qualitäten dieser Schweizerischen Spezialität auf die Bühne sichtbar: Die Schauspielerin Nina Maria Wyss spielte in theatralischen Intermezzos das Huhn (Foto links, oben) aus «Florisett und Rakitaki: Hickhack im Hühnerhof» von Eva Roth und Jacky Gleich (Foto rechts, unten), wo es ums Thema Mobbing geht. Sie las später auch aus «Plötzlich waren sie da. Die Bourbaki-Armee in der Schweiz» von Anita Siegfried. Die Autorin bespricht später auf der Bühne ihre bewegenden Texte von Krieg aus Kindersicht mit der Leiterin des Bourbaki-Museums Alexandra Könz. Oder Kati Rickenbach und Magali Franov im Gespräch: Sie bearbeiteten das gleiche Thema aus zwei Perspektiven: wie das Leben ist, wenn alle – ausser Tiere und Babys – ständig am Handy sind («Alle haben ein Handy ausser ich»), oder wenn sich die Sommerferien für Kinder endlos anfühlen, voller baden, spielen, lesen, barfussgehen und Sirup trinken («Himbeer-Sirup-Tage»). Magali Franov sagt: «Kati, dein Heft zeigt die Realität und meins die Romantik, nichts zu tun, die Natur zu fühlen, zu spielen und zu atmen.»

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Fotos: Pascale Blatter

Live-Zeichnung: Kati Rickenbach

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