Newsletter Schweizer Buchhandel
Ausgabe 33/2026 vom 10. September 2026
14. Österreich
14. Unabhängig und wienerisch-inspirierend
Das Wiener Ehepaar Kurt und Sibylle Hamtil (Metroverlag, «Hamtil & Söhne») eröffnet nächste Woche an bester Lage in Wien ihre unabhängige Literaturbuchhandlung SVEVO, in einem ehemaligen Damen-Strickmoden-Geschäft – Wienerischer geht es nicht.
In der Wollzeile 9 betreibt ihr eine Filiale eures Design-und Souvenirgeschäfts «Hamtil & Söhne». Jetzt also Bücher an der Wollzeile 8. Sind Bücher das ultimative Accessoire?
Kurt Hamtil: Nein. Die Glanzzeit der Coffee Table Books ist längst vorbei, diese würde ich am ehestens noch als Wohn-Accessoire bezeichnen. In unserer Literaturhandlung SVEVO führen wir ausschliesslich Literatur. Sibylle und ich haben – bis auf die letzten Jahre – ein Leben lang in der Buchbranche gearbeitet. Eins führte immer zum anderen. Nach zehn erfolgreichen Jahren mit dem Metroverlag haben wir an unserer Verlagsadresse, im ersten Hochhaus in Wien in der Herrengasse, einen Laden eröffnet, in den Räumen der ehemaligen Buchhandlung Amon, mit unseren Wienbüchern aus dem Metroverlag und zusätzlich kuratierten Wienprodukten. Daraus entwickelte sich die Produktepalette von «Hamtil & Söhne».
Ihr eröffnet gleich gegenüber dem Morawa-Hauptgeschäft. Dort haben Sie als junger Mann acht Jahre lang als Buchhändler gearbeitet. Ist das jetzt Zufall oder Folgerichtigkeit?
Schicksal. Wir standen vor unserem Geschäft an der Wollzeile 9 und sahen das leerstehende vis-a-vis. Da war klar, wir müssen diese fantastischen Räume mit Büchern füllen. Meine Jugendzeit bei Morawa war wunderbar, und ich habe dort viel gelernt. Morawa ist bestens sortiert, doch auf Grund der Grösse auch sehr unpersönlich. Bei uns wird das ganz anders sein.
Eine unabhängige Buchhandlung an bester Innenstadtlage zu gründen ist ein Wagnis. Oder seht ihr das anders?
Rein ökonomisch betrachtet: ja. Wir haben das Glück, dass wir nicht unmittelbar davon leben müssen und die notwendige Zeit haben, die Literaturhandlung zu etablieren. Und ohne Überheblichkeit: Eine Buchhandlung wie unsere hat es seit den Achzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts in der Wiener Innenstadt nicht mehr gegeben. All die «guten» Literaturbuchhandlungen haben in den letzten Jahrzehnten zugemacht. Da kam nichts nach. Natürlich auch, weil die innerstädtischen Mieten kaum finanzierbar sind.
Können also auch 2026 unabhängige Buchhandlungen in den Einkaufsmeilen von Weltstädten aufmachen und dieses Feld nicht nur Ketten überlassen?
Ketten werden natürlich immer marktbeherrschender. Doch auch hier werden ihnen die Grossflächen zum Problem werden. Mit 100 Quadratmetern Fläche ist unsere Miete, zwei Minuten vom Stephansplatz, natürlich keine «mezzie», aber das werden wir mit Begeisterung meistern.
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