Newsletter Schweizer Buchhandel
Ausgabe 37/2026 vom 08. Oktober 2026
5. LiteratureLenk
5. Vier Fragen an Eva Maria Ebner und Julia Knapp
Vom 27. bis 29. November steht die Lenk im Berner Simmental drei Tage lang im Zeichen der Literatur: Zum fünften Mal findet dort das bilinguale Literaturfestival «LiteratureLenk. Der Röstigraben n’existe pas» statt. Im Mittelpunkt steht Literatur aus der Schweiz, die sich auf unterschiedliche Weise mit Bergen und Natur auseinandersetzt. Das diesjährige Programm reicht von Stefan Gartmanns Roman «Falätscha. Vom Schweigen in den Bergen» (Bilger) über «Schmuggellandschaften» von mehreren Autorinnen und Autoren (Rotpunkt) bis zu Blaise Hofmanns «Die Kuh im Dorf lassen» (Atlantis Literatur), das auf Deutsch und Französisch vorgestellt wird. Wir haben mit Eva Maria Ebner, Geschäftsführerin der organisierenden Stiftung Kulturförderung Lenk, und Julia Knapp, Mitglied im Fachbeirat des Festivals sowie Moderatorin der deutschsprachigen Veranstaltungen, über die Entwicklung der Veranstaltung, sprachliche Grenzen und die Faszination der Bergwelt für Schweizer Schreibende gesprochen.
LiteratureLenk findet dieses Jahr zum fünften Mal statt. Wie hat sich das Festival seit der ersten Ausgabe 2022 entwickelt?
Eva Maria Ebner: Wir fingen sehr klein an, mit drei deutsch- und drei französischsprachigen Lesungen ohne Moderation und einem Publikum, das man praktisch an einer Hand abzählen konnte. Im zweiten Jahr gewannen wir Julia Knapp für die Moderation der deutschsprachigen Veranstaltungen und Sita Pottacheruva für die französischsprachigen. Gleichzeitig kam ein Fachbeirat hinzu, der uns beim Programm unterstützte. Es kristallisierte sich schnell heraus, dass wir Literatur ins Programm nehmen wollen, welche die Berge thematisiert. Mit den Jahren wuchs das Publikum sehr schön an. Letztes Jahr begannen wir mit zweisprachigen Lesungen. Wir fanden es wichtig, auch dem Thema «Übersetzung» Raum zu geben.
Kommt das Publikum für Veranstaltungen in beiden Sprachen, oder bleiben sprachliche Grenzen doch spürbar?
Eva Maria Ebner: LiteratureLenk ist ein sehr junges Festival. Wir sind noch dabei, vermehrt auch Publikum aus der Romandie in die Lenk zu holen. Durch die zweisprachigen Lesungen konnten wir vielen deutschsprachigen Zuhörerinnen und Zuhörern die Angst nehmen, einer Lesung beizuwohnen, die auch auf Französisch stattfindet. Selbst wenn man nicht perfekt Französisch spricht, kann man dem Inhalt gut folgen, weil man ihn in beiden Sprachen präsentiert bekommt.
Julia Knapp: Wir haben Gäste, die sämtliche Veranstaltungen besuchen. Einige legen ein erstaunliches Durchhaltevermögen an den Tag, weil sie das gesamte Programm reizt. Genau das erhoffen wir uns natürlich von diesem Festival. Schliesslich kommt kaum jemand nur für eine einzige Veranstaltung in die Lenk. Deshalb verbinden die meisten den Festivalbesuch mit einem kleinen Aufenthalt zum Wandern.
Wie wählen Sie die Autorinnen und Autoren beziehungsweise die Werke aus – und wie weit fassen Sie diesen thematischen Rahmen?
Julia Knapp: Wir sind auf Literatur aus der Schweiz fokussiert. Die Bücher müssen uns packen und uns das Gefühl geben, dass man über sie sprechen kann. Die Bergwelt-Thematik kann von der historischen Darstellung bis in eine Klimadystopie alles Mögliche umfassen. Dieses Jahr ist zum Beispiel ein Sachbuch über Schmuggelpfade dabei. Auch Gletscherschmelze und Naturschutz finden immer wieder Platz an unserem Festival. Tatsächlich gibt es so viele Bücher zu diesem Themenfeld, dass wir uns jedes Jahr unter Schmerzen von einigen Werken verabschieden müssen, die wir auch toll finden, denen wir aber leider keinen Raum geben können. Offensichtlich beschäftigt das Thema Schweizer Schreibende stark.
LiteratureLenk findet Ende November in einem Bergort statt. Ist das ein Vorteil, eine Herausforderung oder beides?
Eva Maria Ebner: Es ist eine sehr grosse Herausforderung, denn die Lenk ist ja nicht gleich um die Ecke. Ausserdem findet LiteratureLenk dieses Jahr zum ersten Mal Ende November statt. Die früheren Ausgaben fanden im Oktober gleichzeitig mit dem örtlichen Älplerfest statt. Für unser Publikum war es zwar eine Bereicherung, zwischen den Lesungen noch zu einer Kuhschau gehen zu können. Dennoch entschieden wir uns für ein anderes Datum. Der November ist an der Lenk eher eine tote Zeit; vielleicht können wir sie mit unserem Festival etwas beleben. Es ist auch die Zeit, in der die Menschen vielleicht noch etwas Ruhe finden und sich inspirieren lassen wollen, bevor der Weihnachtsstress kommt.
Julia Knapp: Am Anfang der Adventszeit ist oft auch die Sehnsucht nach Winter- und Bergzauber noch gross. Deshalb glaube ich, dass dieses Datum gut funktionieren wird.
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