Newsletter Schweizer Buchhandel
Ausgabe 37/2026 vom 08. Oktober 2026
6. Schweizer Krimipreis
6. Vier Fragen an Katrin Sutter
Ende September wurden in der Opéra de Lausanne die Krimipreise für die besten Kriminalromane der Deutschschweiz und der Romandie verliehen. In der Westschweiz entschied sich die Jury für «La Fin de Week-End» von Michaël Perruchoud, erschienen bei Editions Okama. In der Deutschschweiz machte «Tizianas Rosen» von Stefan Györke das Rennen. Der Roman erschien im Februar 2025 im Arisverlag. Wir haben Verlegerin Katrin Sutter einige Fragen gestellt.
Was bedeutet es für einen kleinen unabhängigen Verlag wie Ihren, mit einem seiner Bücher den Schweizer Krimipreis zu gewinnen?
Katrin Sutter: Ich habe von Anfang an an dieses Buch geglaubt. Der Preis ist eine Bestätigung dessen, was ich nach der Veröffentlichung letztes Jahr zu vermitteln versuchte: dass «Tizianas Rosen» ein grossartiges Stück Literatur ist.
Warum ist es das?
Ich hatte bereits ein Buch von Stefan Györke gelesen, das mir von der Buchhandlung Wolf empfohlen worden war, und hielt ihn für einen unterschätzten Autor. Als er mit «Tizianas Rosen» auf mich zukam, fand ich die Geschichte unglaublich gut. Sie basiert auf einer Zeitungsnotiz, die der Autor vor Jahren las: Eine tote Person war mit einem Strauss Rosen im Rachen gefunden worden. «Tizianas Rosen» ist aber kein klassischer Krimi, in dem die Leserschaft miesepetrigen Ermittlern folgt. Es ist eher ein Roman, in dem ein Kriminalfall vorkommt, und ein Psychogramm über manipulative Verstrickungen. Die Figuren sind extrem gut gezeichnet, es gibt unglaubliche Plot-Twists, und das Buch bleibt spannend bis zum Schluss. Zudem verfügt Stefan Györke über eine exquisite Sprache. Als ich das Manuskript bekam, war es bereits auf einem sehr hohen Niveau.
Hat das Buch nach seinem Erscheinen bereits die Resonanz erhalten, die Sie sich erhofft hatten?
Nein. Immerhin war es bei der NZZ im Format «Bücher am Sonntag» unter den 100 besten Krimis dabei. Wer das Buch gelesen hatte, fand es gut. Aber leider hatte es keine Wirkung in der Breite. Vielleicht gerade, weil es kein klassischer Krimi ist und wir es entsprechend auch nicht als solchen vermarkten konnten. In der Belletristik ist es für einen kleinen Schweizer Verlag nicht ganz einfach, Gehör zu erhalten. Bei den wenigen Rezensionen, die es gibt, schaut man eher nicht auf die kleinen Verlage. Auch Nelio Biedermanns Debüt «Anton will bleiben», das bei uns erschienen ist, übersahen zunächst die meisten. Erst als er mit «Lázár» bei Rowohlt Berlin herauskam, schauten alle hin.
Macht sich die Auszeichnung nun bei Bestellungen bemerkbar?
Ja. Wir erhielten Plakatbestellungen sowie Rückmeldungen von Buchhandlungen, die für «Tizianas Rosen» ein Schaufenster gestalten oder eine Krimipreis-Ecke einrichten und dafür Bücher bestellt haben. Darüber hinaus kommen nun auch aus den Medien Anfragen für Rezensionsexemplare.
Weitere Themen:
1. Buchmesse Frankfurt
1. Eröffnung mit Ovationen und Zwischenrufen
2. Schweizer Empfang an der Frankfurter Buchmesse
2. Vielfalt zwischen Küsten und Hasen
3. Umsatzentwicklung im September 2026
3. Weiterhin leichter Aufwärtstrend
4. Literaturnobelpreis
4. Anne Carson gewinnt
5. LiteratureLenk
5. Vier Fragen an Eva Maria Ebner und Julia Knapp
7. Kinder- und Jugendbücher
7. Neues Label kennzeichnet menschengemachte Bücher
8. Kulinarisch-literarischer Wettbewerb
8. Gold und Silber für AT
9. BAK
9. Organisatorische Optimierung abgeschlossen
11. Unabhängige Buchhandlungen
11. Basler Buchszene macht gemeinsame Sache
12. Literarischer Herbst Gstaad
12. Gegenwartsliteratur im Saanenland
13. Stauffacher Bern
13. Harry Potter zieht ein
14. Internationaler Buchmarkt
14. Belletristik wächst, Sachbücher verlieren
15. Verzeichnis Lieferbarer Bücher
15. KI soll bei Produktmetadaten helfen
16. NDR Sachbuchpreis
16. Das ist die Longlist

