Schweizer Buchhandels- und
Verlags-Verband SBVV

Newsletter Schweizer Buchhandel
Ausgabe 23/2026 vom 11. Juni 2026

1. GV des SBVV
1. Matthias Städeli ist neuer SBVV-Präsident

Am Montag führte der SBVV in der Schweizerischen Nationalbibliothek in Bern seine 178. Generalversammlung durch. Bis gegen Ende verlief sie völlig unspektakulär. Dann stand die Wahl des neuen Präsidenten an.

Nach drei Jahren als Präsident des SBVV – und insgesamt sieben Jahren im Zentralvorstand – entschied sich Manuel Schär aus beruflichen Gründen, von seinem anforderungsreichen Amt zurückzutreten. Nachdem der Präsident seinen Rücktritt kommuniziert hatte, setzte der Zentralvorstand eine Findungskommission ein – bestehend aus Carmen Lee-Stocker vom Fachausschuss Buchhandel, Urs Hofmann, Firas Kharrat und Sonja Rothländer vom Fachausschuss Verlage sowie Patrick Heuscher vom Fachausschuss Zwischenbuchhandel.

Sie definierten drei Hauptthemen, die bei der Suche eines neuen Präsidenten oder einer neuen Präsidentin im Fokus stehen sollten. Erstens die Organisation; die Effizienz und Schlagkraft des Verbands soll erhöht werden. Zweitens die Lobbyarbeit; sie wird für einen im Kulturbereich tätigen Wirtschaftsverband fraglos immer wichtiger. Drittens die Herausforderungen, die sich in rechtlichen Bereichen stellen, vor allem hinsichtlich Urheberrecht, Künstliche Intelligenz (KI), Open Access und zwingendem Zweitveröffentlichungsrecht.

Der Zentralvorstand empfahl der Generalversammlung schliesslich einstimmig den Rechtsanwalt Matthias Städeli zur Wahl. 20 Jahre lang leitete der 61-Jährige eine grosse Kanzlei in Zürich. Sein Spezialgebiet sind das Marken- und Urheberrecht – er bewegt sich also mit viel Knowhow in einem Bereich, der für die Mitglieder des SBVV immer wichtiger wird. Kultur spielt in seinem Leben zudem eine grosse Rolle; Matthias Städeli hat einen Master in Kulturmanagement, er ist Verwaltungsrat von Konzert und Theater St. Gallen und der Bach-Stiftung sowie Stiftungsrat der Klangwelt Toggenburg.

«Matthias Städelis Expertise passt zu den aktuellen Herausforderungen, mit denen wir konfrontiert werden», befand Carmen Lee-Stocker in ihrer Begründung des Vorschlags. «Wir wollen den Verband von innen heraus stärken, um nach aussen kraftvoll auftreten zu können. Wir brauchen juristische Kompetenz und einen unabhängigen Blick auf die gesamte Wertschöpfungskette.» «Meine Kandidatur ist eine Premiere», leitete Matthias Städeli seine Ansprache ein. «Ich wäre der erste Präsident in der SBVV-Geschichte, der nicht direkt aus dem Verlag, Buchhandel oder Zwischenbuchhandel kommt.» Zum einen sei ihm die Buchbranche aber alles andere als fremd – er habe viele Verlage bei juristischen Fragen beraten und eng begleitet –, zum anderen eröffneten sich für den Verband mit der Aussenperspektive auch Chancen. Er habe die gesamte Wertschöpfungskette im Blickfeld, und diese Wertschöpfungskette werde gegenwärtig durch KI transformiert. Grosse Herausforderungen lägen auch in den Bereichen Open Science und zwingendes Zweitveröffentlichungsrecht.

Der SBVV wäre nicht der SBVV, hätte der Vorschlag des Zentralvorstands an der Generalversammlung nicht einiges zu debattieren gegeben. Schliesslich sind die Verbandsmitglieder allesamt stolz auf ihre Branchenzugehörigkeit – dass sie jetzt sozusagen von einem Aussenstehenden repräsentiert werden sollen, stiess auf einige Skepsis. Es kam zu unüblich vielen Wortmeldungen, wobei die kritischen Voten stets mit der Bemerkung eingeleitet wurde, man habe nichts gegen den Kandidaten als Person – man kenne ihn ja nicht.

Zu den geäusserten Bedenken gehörte, Matthias Städeli habe zu wenig Bezug zur Branche. Und er habe sich eigentlich nur zu Verlagsbelangen geäussert, der Buchhandel käme bei ihm zu kurz. Es gab aber auch zahlreiche Voten zugunsten des Vorschlags. Ein gutes Netzwerk, über das der Kandidat zweifellos verfüge, sei für den SBVV viel wert, es brauche in der heutigen Zeit andere Kompetenzen als in der Vergangenheit. «Wir sollten den Schritt wagen und es probieren», meinte ein Buchhändler.

Die Generalversammlung folgte schliesslich diesem Aufruf: Matthias Städeli wurde mit 53 Ja-Stimmen gewählt, bei fünf Gegenstimmen und 14 Enthaltungen. Das ist angesichts der aussergewöhnlichen Kandidatur ein gutes Resultat. Bei allen anderen Abstimmungen dieses Nachmittags herrschte Einstimmigkeit ohne Enthaltungen – bei der Entlastung der verantwortlichen Organe ebenso wie bei der Verabschiedung des Budgets 2027 oder bei den turnusmässigen Erneuerungswahlen von gleich sieben Mitgliedern des Zentralvorstands. Die Mitglieder des Verbands sind offensichtlich zufrieden mit dessen Leistungen.
Marius Leutenegger

Dies ist die Kurzform eines Berichts zur Generalversammlung, der mit vielen Fotos im nächsten Schweizer Buchhandel am 8. Juli erscheinen wird.


Weitere Themen:

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Bei den meisten Geschäften herrschte Einstimmigkeit.

Der neue SBVV-Präsident Matthias Staedeli.
Alle Fotos: Erik Brühlmann

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