Schweizer Buchhandels- und
Verlags-Verband SBVV

Newsletter Schweizer Buchhandel
Ausgabe 37/2026 vom 08. Oktober 2026

1. Buchmesse Frankfurt
1. Eröffnung mit Ovationen und Zwischenrufen

Die Eröffnung der 78. Frankfurter Buchmesse am Dienstag stand im Zeichen des Ehrengasts Tschechien, der KI-Thematik und des Abschieds von Messedirektor Juergen Boos.

EU-Kommissar Glenn Micallef nutzte die Gelegenheit, die zentralen europäischen Forderungen im Bereich KI zu platzieren: Die Sichtbarkeit kreativer menschlicher Werke und deren Vergütung, das Engagement für Differenzierung («keeping differencies alive»), das Bewahren der menschlichen Stimme, die immer über der der KI stehen müsse.

Die in Kiew geborene tschechische Lyrikerin Marie Iljašenko zeigte in einer prägnanten Performance, was gebundene Sprache zu vermitteln vermag: Widersprüche und Gleichzeitigkeit. Der Frankfurter Oberbürgermeister Mike Josef und Timon Gremmels, hessischer Minister für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur, erzählten sehr nahbar von den Büchern, die sie an einer Weggabelung ihres Lebens geprägt hatten. Der deutsche Staatsminister Wolfram Weimer hielt ein Plädoyer auf die Kreativwirtschaft und machte deutlich, welche politischen Vorstösse mit vereinten Kräften etabliert werden müssen, um diese zu schützen.

Der tschechische Kulturminister Oto Klempíř zeigte die stabilen und langjährigen Brücken von Autoren, Autorinnen und Verlagen seines Lands zu Deutschland, vermochte jedoch die Gunst des Publikums, das teilweise lärmte, nicht zu erringen. Ganz anders Schriftstellerin Radka Denemarková, die für ihre fulminante Rede, gewandt und charmant in deutscher Sprache gehalten, stehende Ovationen erhielt; für «Wir müssen das Leben der Mächtigen komplizieren» erntete sie Zwischenapplaus.

Börsenverein-Vorsteher Sebastian Guggolz schloss mit einer Bilanz fehlender Massnahmen im Kultur- und Bildungsbereich, vor allem der Förderung der Lesekompetenz, und blendete zwei herzerwärmenden Abschiedsvideos von Elif Shafak und Salman Rushdie für Juergen Boos ein. Beide erklärten, dieser habe die Messe zu dem Ort gemacht, an dem Geschichten und alle, die sie ersinnen und aufschreiben, willkommen seien.
Tanja Messerli


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Fotos: Frankfurter Buchmesse / Marc Jacquemin

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