Schweizer Buchhändler-
und Verleger-Verband

Newsletter Schweizer Buchhandel
Ausgabe 47/2019 vom 12. Dezember 2019

4. Pisa Studie
4. Graben, der sich öffnet

Alice Gabathuler ist Jugendbuchautorin und Co-Verlegerin des 2016 gegründeten da bux-Jugendbuchverlags im St. Galler Rheintal, der sich auf "einfache, aber nicht simple" Jugendbücher von maximal 60 Seiten spezialisiert hat. Das aktuelle Herbstprogramm umfasst vier Titel von Petra Ivanov, Sunil Mann und Alice Gabathuler. Letztere ist vom schlechten Abschneiden der Schweiz in der aktuellen Pisa-Studie nicht überrascht.

Alice Gabathuler, was sind Ihre Erfahrungen auf da bux-Lesetouren mit "leseschwachen Jugendlichen" – laut aktueller Pisa-Studie 25 Prozent aller Schweizer Schülerinnen und Schüler?
Es ist ein Mix aus "Lesen ist uncool / langweilig / schwierig / mühsam / Schulstoff". Manche lesen sehr langsam, nicht wenige haben nicht verstanden, was sie gelesen haben. Rückblenden sind schwierig, der Wortschatz ist oft beschränkt. An vielen Schulen und in Bibliotheken sind deshalb Easy Reader, welche diese Schwierigkeiten berücksichtigen, mittlerweile Standard geworden und werden auch fleissig gelesen, sei es als Klassenlektüre auf der Oberstufe, in Gewerbeschulen, in Lerngruppen im heilpädagogischen Bereich oder als individuelle Leselektüre.

Spürt der da bux-Verlag eine steigende Nachfrage?
Die Nachfrage an unseren Büchern ist sehr gut, unsere Bekanntheit ist mit dem neusten Programm noch einmal gestiegen. Viele, die uns schon kennen, empfehlen uns weiter. An Workshops und Ausstellungen hören wir immer wieder, dass unsere Bücher genau das sind, was dringend benötigt wird, weil es kaum einfache Literatur zu aktuellen Themen auf dem Erlebnishintergrund der Jugendlichen gibt.

Wie kann man sich die betroffenen Jugendlichen vorstellen, wer ist das? Die Zahlen der Pisa Studie sind letztlich recht abstrakt.
Wer nicht viel liest, dem fehlt die Übung. Das Lesen allgemein und das Jugendbuch im Besonderen haben in der Schweiz leider keinen grossen Stellenwert, beides findet in den Medien kaum statt – und wenn, dann oft nur dann, wenn man darüber lamentieren kann, dass die Jungen nicht mehr lesen. Es fehlen die positiven Vorbilder. Wem in Medien ständig Influencer, YouTuber, Ex-Missen Schweiz oder Teilnehmende beim Bachelor als coole, erfolgreiche Persönlichkeiten vorgestellt werden, der muss sich nicht mit Lesen herumschlagen. Zudem: Lesen und Leseverständnis haben sehr stark mit Reflexion zu tun und setzen von Anfang an ein Vernetzen mit Vorwissen, Erlebtem, Bildern und vielen Erfahrungen voraus. Hier zieht sich durch die ganze Gesellschaft ein riesiger Graben. An einem gerade erst durchgeführten Workshop kristallisierte sich klar heraus: Lehrpersonen, Bibliothekarinnen und Bibliothekare können noch so motivierend wirken – wenn Lesen als Tätigkeit betrachtet wird, welche einzig auf die Schule beschränkt ist oder wenn zu Hause und im weiteren Umfeld der Jugendlichen nicht gelesen wird, verpufft die Wirkung.

Die Schule ist also nur beschränkt der Ort, um der Leseschwäche entgegenzuwirken. Wie positioniert sich hier der da bux-Verlag?
Vergessen wir nicht: Es gibt viele Lesemuffel, die absolut problemlos durchs Leben kommen. Problematisch wird es für diejenigen, welche Schwierigkeiten haben, sich einfache Informationen und Zusammenhänge lesend zu erschliessen. Dieser Gruppe gehen irgendwann im Laufe des Heranwachsens die altersgemässen Texte aus. Da bux versucht hier einen Beitrag zu leisten und schliesst in diesem Sinne eine "Leselücke".  Die Herausforderung dabei ist, zwar einfach zu schreiben, aber nicht auf eine Art, welche als künstlich oder absichtlich vereinfacht wahrgenommen wird.

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7. Melden Sie Ihre Frühjahrsnovitäten

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11. SRF Bücherliste
11. 

Alice Gabathuler gründete
(mit Stephan Sigg und
Tom Zai) den da bux
Verlag. © Ana Kontoulis

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